„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Mittwoch, 20. April 2022

Fußnoten zum Mittwoch

 

Unvaccinated lives matter.

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Und auch heute geht das schamlose Plündern in fremden Osternestern weiter, heute bei Erdinger und seinem „Absacker“:

Männer sind plötzlich Frauen. Gesunde eine Gefahr. Tests definieren, ob man krank ist. Geimpft sein ist die neue Freiheit. Die Erkältung ist ausgestorben. Menschen, die auf ihr Immunsystem vertrauen sind Kriminelle. Die Maske nicht tragen ist schlimmer, als sich an Kindern zu vergehen. Lügen sind die neue Wahrheit. Die Wahrheit ist neuerdings rechtsextrem. Überhaupt, ist rechts das neue links und grün das neue braun. Waffenlieferungen schaffen Frieden. Ideologisch verblendet ist neuerdings kompetent, Dummheit die neue Intelligenz. Lügner regieren – und 90 % der Bürger folgen blind, taub und stumm. Was für ein krankes Land.

Ich wollte gerade schreiben, dem könne man nichts hinzufügen. Aber irgendwie ist alles, was man heutzutage so hört oder liest, eine Hinzufügung dazu.

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Die Fuldaer Zeitung gehört anscheinend zu keinem großen Mediennetzwerk sondern ist nur eine kleine unabhängige Regionalzeitung, die sich leisten kann, Journalisten zu beschäftigen, die diesen Job noch ernst nehmen. So geschehen bei einem Interview mit dem impfbegeisterten, aber meist halbwegs realistischen und zumindest impfzwangablehnenden Hendrick Streeck:

Nun scheint das Virus um manch Ungeimpften einen großen Bogen zu machen, während manch vierfach Geimpfter schwer krank wird. Kommen wir bei dem Ziel, das Virus zu verstehen und in Schach zu halten, eigentlich voran?“

Allein die Art der Fragestellung lässt mich ehrfurchtsvoll auf die Knie sinken. Dass es in den Reihen der „großen Qualitätsmedien“ keinen einzigen sogenannten Journalisten mehr gibt, der so bissig um die Ecke kommt, kann nur daran liegen, dass dieser in diesem Falle seinen Job wohl nicht mehr lange hätte. Sollte einem zu denken geben, wenn man es bis dato noch nicht tut.

Und so verhakelt sich Streeck auch fast in dem versuchten Spagat zwischen Realität und Korrektheit:

Wir haben in den letzten zwei Jahren sehr viel über das Coronavirus gelernt. Aber es gibt weiterhin eine große Anzahl offener Fragen. Dazu gehören genaue Erkenntnisse über das Infektionsgeschehen. Oder die Impfung: Es ist eindeutig, dass wir durch die Impfung die schweren Krankheitsverläufe vermeiden, aber es kann sein, dass wir dadurch auch mehr asymptomatische Verläufe verlieren, da der ganze Körper, das ganze Immunsystem bei Geimpften auf das Virus sofort reagiert. Wenn also jemand sagt: „Ich war infiziert und hatte ziemlich starke Symptome, ohne Impfung wäre es viel, viel schlimmer gewesen“, dann müssen wir ehrlicherweise sagen: Diese Aussage ist noch nicht belegbar. Hier fehlen noch wichtige Daten und Erkenntnisse. Und das muss offen und transparent kommuniziert werden.“

Da muss ich jetzt mal reingrätschen. Denn immerhin hat der Fragesteller ja vorgelegt, dass es langsam auffällt, dass Ungeimpfte mit leichteren Verläufen durchkommen als Geboosterte. Und so trennt sich auch der eine Satz, in dem Streeck den Spagat versucht, in zwei völlig gegenteilige Aussagen.

Es ist eindeutig, dass wir durch die Impfung die schweren Krankheitsverläufe vermeiden...“, beginnt es, obwohl er schon im nächsten Satz zugibt, dass diese Aussage durch nichts zu belegen ist und reine Spekulation, was das Wort „eindeutig“ in einem recht seltsamen Licht erscheinen lässt. Also man vermutet, es könnte sein, glaubt aber so fest daran, dass man sich sicher ist, denn die Alternative zuzugeben, dass es nicht sicher ist, würde ja Wasser auf Mühlen gießen und die Hysteriker würden ihn sofort zum Covidioten niederbrüllen. Also ein Bein weit ausgestreckt nach links, wo der Genosse Klabauterbach tobt, während das andere Bein sich nach rechts streckt, wo sich die offensichtliche Wahrheit nicht verstecken kann:

...aber es kann sein, dass wir dadurch auch mehr asymptomatische Verläufe verlieren, da der ganze Körper, das ganze Immunsystem bei Geimpften auf das Virus sofort reagiert.“

Aha. Bei Ungeimpften reagiert das Immunsystem so besonnen, dass es sogar ganz ohne Symptome oder nur mit sehr leichten Auswirkungen mit dem Virus fertig wird, während das gentechnisch aufgeputschte und durch den Wind geprügelte Immunsystem der Geimpften und Geboosterten sofort aus allen Kanonen schießt und den Infizierten zum Erkrankten macht.

Das deckt sich mit meinen Beobachtungen, dass wir Ungeimpften maximal einen leichten Schnupfen mit Halsweh haben, während durchgeboosterte Kollegen eine richtig heftige Grippe mit zwei Wochen Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen am ganzen Körper und bis in die Lunge durchleiden und noch dreimal rückfallend in den Krankenstand gehen, was uns einmal naturimmunisierten „Genesenen“ mehr Arbeit und Umsatz bringt.

Wenn man das jetzt in einen einzigen Satz bringt, wie Streeck es gemacht hat, macht es erst so richtig sichtbar, was die Realität ist, nämlich dass infizierte Gespritzte viel stärker reagieren und schwerer erkranken als Impffreie, es aber nicht gesagt werden darf, weil die Realität nämlich das exakte Gegenteil des Narrativs ist, das von Narren (daher wohl das Wort) wie Klabauterbach faktenleugnend weitergetrommelt wird.

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Das nächste Verschwörungsgeschwurbel wird wahr: Ab Sommer startet im italienischen Bologna als EU-Pilotprojekt ein Sozialkreditsystem nach chinesischem Vorbild. Es ist so verhersehbar, dass man schon gehörig blind und/oder verblödet sein muss, um heute nicht zum Verschwörungsschwurbler (ein anderes Wort für vorausschauender Realist) zu werden.

Was die Verweigerer betrifft, so werden sie möglicherweise ausgesondert.“

Darin haben wir ja schon Übung. Und der VfGH hat auch grünes Licht gegeben: Es muss der Regierung nur eine von ihr selbst handverlesene „Kommission“ eine „Empfehlung“ geben, Begründungen sind nicht mehr nötig.

Willkommen im postdemokratischen Zeitalter.

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Dazu fällt mir gerade wieder ein Zitat von Manfred Spitzer, einem bekannten Hirnforscher und erklärten Gegner jugendlichen Medienkonsums, ein, das sinngemäß so ging:

Wenn sich unsere Bildung so weiterentwickelt, werden in 30 Jahren unsere Kinder froh sein, wenn sie den Chinesen billig die T-Shirts nähen.“

Das war so um 2000 herum. Damals hielt das jeder für überspitzt.

Heute nicht mehr.



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