„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Samstag, 15. April 2017

Augen rrääächts!

Es war abzusehen. Wie man an dem Lavieren der Medien (das ich hier und hier thematisiert hatte) unschwer erkennen konnte, wurde nur auf den richtigen Moment gewartet, um aus der Geschichte mit dem BVB-Bus einen rechtsextremen Terrorakt zu machen.

Die Bekennerschreiben am Tatort sind „unglaubwürdig“, weil das offizielle IS-Siegel fehlt, und andere Moslems machen ja niemals irgendwelche Terroranschläge, die sind ja alle sowas von moderat und friedlich, wie man an Al-Nusra, Al-Qaida, Boko Haram und ähnlichen muslimischen Freiheitskämpfern sieht. Das Bekennerschreiben auf Indymedia ist auch „unglaubwürdig“, weil die Betreiber der Seite, selbst absolut friedliche und glaubwürdige Gesell_Innen, das so erklären. Aber eine einsame e-mail, die dem absolut neutralen und qualitativ unantastbaren „Tagesspeigel“ anonym zugespielt wurde, mit einem angeblich rechtsextremen Bekenntnis, die wird absolut ernst genommen und ruft sofort die Sicherheitskräfte auf den Plan.

Na endlich!
Die Idee, dass es sich um eine Aktion der Linken handeln könnte, um (wie bestellt, so geliefert) ein härteres Vorgehen der Polizei gegen jeden, dem der Krawall gegen den AfD-Parteitag in Köln gegen den Strich geht zu erreichen und außerdem die zu erwartenden massiven Gewaltausbrüche der Linksterroristen zu begründen und zu relativieren, kommt keinem. Will keinem kommen.
Was für eine Schmierenkomödie! Und unsere Medien sind sich nicht zu blöd, tendenziell zu berichten und den Propagandisten die Räuberleiter zu machen.

Wenn Neonazis einen Mannschaftsbus angreifen wollten, dann würden sie wohl eher eine Mannschaft auswählen, deren Anhänger linksradikale Hooligans sind wie Hamburg oder Leipzig. Aber egal. Man hat beschlossen, die öffentlichen Bekenntnisse zu ignorieren und über ein Fake bei einer linksradikalen Hetzseite den Fokus auf eine mit mehreren Tagen Verspätung eintreffende Mail mit (endlich!!!) der „mutmaßlich richtigen“ Urheberschaft präsentieren zu können.
Diese Mail ist mit 99,99% Wahrscheinlichkeit ein Fake. Denn wer so schreibt platziert keine irreführenden Bekennerschreiben irgendwo am Tatort. Sollte wirklich jemand eine falsche Fährte gelegt haben, dann sicher nicht, um drei Tage später: „Ätsch, ich wars!“ zu rufen. Das ist sows von durchsichtig.
Aber gut, die Mühe, ihre Konsumenten für denkfähig zu halten, tut sich sowieso inzwischen kein Medium mehr an.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Inszinierung pur. Erinnert an den Ali Somboly, der als der Rechtsxtreme David S. präsentiert wurde. Weil es halt gut ins Konzept passt.
Die breite Masse glaubt es leider.
Es ist nicht mehr aufzuhalten.
Game Over.

heinz hat gesagt…

re: AfD

Aber ja doch, auf diese Idee ist man auf N-TV schon gekommen (Nachrichten heute vormittag), und das geht so:
"Rechtsextreme haben den Bus angegriffen, um damit gegen die zu erwartenden Demonstrationen von Linken während des anstehenden AfD Parteitag mobil zu machen".

Originalton des Sprechers, ich scherze nicht und es ist auch nicht mehr 1. April.
Ich schau N-TV eigentlich ohnehin nicht mehr, das war heute eher zufällig.


lg

heinz hat gesagt…

Das Verdrehen von Ursache und Wirkung geht munter weiter. Jetzt ist Russland schuld, dass sie nicht am ESC in Kiev teilnehmen dürfen, weil sie es provoziert haben.

Den Lügenmedien ist wirklich nichts zu blöd. Na ja, ein Schmierfink von Die Presse halt, was soll man da schon erwarten.
http://diepresse.com/home/kultur/songcontest/5201562/Kalkulierter-SongContestBoykott

Gerechtfertigt wird das mit einem früheren Nichtantreten Georgiens in Moskau, weil deren Song "We don't want Putin" von der EBU (nicht von Russland, wohlgemerkt) disqualifiziert wurde. Ist auch nicht ganz das gleiche, wenn sie mich fragen.

lg