„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Samstag, 7. Oktober 2017

Time to say goodbye

Das Kernchen landet ein Interview im „Standard“. No na. Jede Reichshälfte hat eben ihre verlässlichen Medienpartner. Den ORF erwähne ich mal nicht.
Jedenfalls darf er mal wieder versuchen, die nächste Peinlichkeitsrunde zu überstehen.
Achtung Spoiler: Schafft er nicht.
Kann er auch nicht schaffen, denn die Glaubwürdigkeit ist final im Eimer. Die von Kern und die seiner ganzen Truppe.

Also schauen wir mal, was der Ungewählte so zu propagieren hat:

Um meine Popularität in der SPÖ mache ich mir keine Sorgen.“

Musst du auch nicht. Meine Oma macht sich auch keine Sorgen um ihre Jungfräulichkeit.

Wir haben nicht den besten Wahlkampf geführt, aber wir haben das beste Programm.“

Zwei mutige Aussagen. „Nicht den besten“ für die mieseste Dreckskampagne seit dem Schmutzhaufen, den die Roten über Waldheim geschüttet haben, ganz in der Tradition von Betteln um Sanktionen im Ausland gegen das eigene Land, das hat was von Verharmlosung. Kernchen, dein Wahlkampf war gelinde gesagt eine Katastrophe! Wer es schafft, einen Wahlkampf zu führen, der seinen Gegner stärker macht, obwohl der eigentlich gar nichts machen muss als abwarten, wie es die Roten von innen zerlegt, der hat sich einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Und nein, es ist kein Platz des Ruhmes, der glänzenden Bühne, des Auftritts als Pop-Idol im Slim-Fit-Hemd, sondern der Platz des Versagers, der seiner eigenen Partei beispiellos geschadet hat.
Und nein, um zur zweiten Aussage zu kommen, ihr habt nicht das beste Programm, ihr habt gar keines. Gut, da seid ihr in guter Gesellschaft, aber trotzdem: nicbts, was man nicht hat, kann gut sein, nur weil es andere auch nicht haben.

Was passiert ist, war inakzeptabel, aber nicht in unserem Auftrag.“

Genau, deshalb findet ihr den Vertrag mit dem, der das gebastelt hat, auch nicht mehr. Macht man ja so, dass man einen Vertrag über eine halbe Million abschließt, und dann verlegt man den eben irgendwo. Oder schreddert die Kopie aus Versehen. Gleich nach der Überweisung des üppigen sechsstelligen Betrages. Den ihr für etwas bezahlt, was ihr gar nicht in Auftrag gegeben habt, bei einem Menschen, von dem ihr als einzige auf dem ganzen Planeten (und das, obwohl er genau mit dieser Dienstleistung schon für euch gearbeitet hat) nicht wisst, was der eigentlich macht.

Nochmal zusammengefasst: Ihr schließt mit einem Menschen, von dem ihr nicht wisst, was er tut, einen Vertrag, den ihr nicht mehr finden könnt, über eine Leistung, die ihr nicht beauftragt habt, und zahlt ihm dafür eine halbe Million!
Also, wenn ihr nicht wegen Lügnerei und Dirty campaigning unwählbar sein wollt, dann seid ihr es wegen himmelschreiender Doofheit!

Warum sollten wir für ein Dirty Campaigning bezahlen, bei dem 80 Prozent der Motive den eigenen Kandidaten in den Schmutz ziehen?“

Weil es nicht um den eigenen Kandidaten geht sondern um die, die ihn angeblich in den Schmutz ziehen, denn die sollen als jene, die andere in den Schmutz ziehen, in den Schmutz gezogen werden. Deswegen heißt es ja „dirty campaigning“.
Beispiel gefällig? In Deutschland gab es vor einiger Zeit einen Junglinken, der behauptete Rechtsradikale hätten ihn angegriffen und verletzt. Er hatte Schnitte am Arm vom Messer eines der rechtsextremen Angreifer. Im Laufe der Ermittlungen platzte die Blase: der hatte sich selbst verletzt, um sich als Opfer „Rechtsextremer“ darzustellen und „Rechte“ pauschal zu blutrünstigen Monstern zu erklären. Ja, Kernchen, so geht das. Man bewirft dich mit Dreck und poltert dann empört, der Kurz wäre das gewesen und du das arme Opfer. Das hat dieser Silberstein nicht erfunden, der verkauft euch das nur für teures Geld.

Wenn es wer in der SPÖ für clever hält, den Kanzler in einer Fotomontage am Klo sitzend zu zeigen, dann halte ich den für einen Irren. Das ist alles so idiotisch, dass du dir an den Kopf greifst.“

Du selbst hast es für clever gehalten, dich selbst beim gefaketen Pizzazustellen zu zeigen, also da ist mir der Kopf schon zu schade zum Hingreifen. Bei euch kann man schon allgemein am Geisteszustand zweifeln.

Die SPÖ hat das weder beauftragt noch bezahlt.“

Natürlich nicht. Deswegen findet ihr ja den Vertrag nicht mehr. Aber das Bezahlen ist inzwischen erwiesen und auch von deiner Truppe bestätigt, immerhin schlappe 526.000 Euro. Also klingt der Satz am Ende ein bisschen, sagen wir es mal besonders vorsichtig und diplomatisch, extrem verlogen. Und ich tippe einfach mal ins Blaue, dass es nicht ganz billig sein wird, den Silberstein davon zu überzeugen, dass er seinen Vertrag auch nicht mehr finden kann.

Ich habe deshalb auch Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet.“

Nein, nicht deshalb, sondern weil ihr die ÖVP anklagt, sie wollte „Betriebsgeheimnisse auskundschaften“. Ohne jeden Beweis. Fußend auf den Behauptungen eines Mitglieds des von euch bezahlten Dirty-campaigning-Teams. Das ist lächerlich. Geschenkt.

Woher nehmen Sie, dass Silberstein ein Spezialist für Dirty Campaigning ist?“

Äh, Chrissi, jetzt wird es peinlich. Ehrlich. Der macht das, und nur das, seit 15 Jahren regelmäßig immer wieder für euch. Es steht sogar in Wikipedia, das ihn auch mit diesem offenherzigen Ausspruch zitiert:

Wir müssen Negativkampagnen gegen ihn starten. Wir müssen ihn von einem sauberen in einen schmutzigen Kandidaten verwandeln. (...) Ich habe ihm gesagt: Alles, was du tust, darf in keiner Weise mit uns in Verbindung gebracht werden.“

Das ist es, was Silberstein tut. Dafür engagiert man ihn. Man engagiert keinen international bekannten Experten für Hetze und Vernaderung, damit dieser die Umfragen auswertet. Man engagiert ja auch keinen internationalen Spitzen-Koch, damit der den Dienstwagen fährt.
Aber man wird offensichtlich Parteichef, damit man Märchen erzählt.

...wir haben Referenzen eingeholt über seine Wahlkämpfe in Europa und Österreich, die waren einwandfrei.“

Beim Gusi? Beim Häupl? Natürlich, denn die damaligen Schmutzkampagnen waren ja sehr erfolgreich.
Meine Fresse, was für eine Heuchelei!
Selbst „Wikipedia“ beschreibt diese Doku und die Arbeit Silbersteins. Jeder, der googeln kann, findet in einer Minute raus, was der tut. Aber die gesamte SPÖ, vorneweg der sich eben noch als kompetenter Spitzenmanager eines Großkonzerns gerierende Kanzlerdarsteller, haben es nicht in Vorbereitung eines sündteuren Kampagnenvertrages geschafft, herauszufinden, was der eigentlich tut?
Mann Kernchen, du auf ewig Ungewählter Bleibender, für wie dumm willst du uns verkaufen? Kauft ihr auch bei einem Schulungsunternehmen eine monatelange Seminar-Dienstleistung, ohne einmal zu erfahren, zu welchen Themen die Seminare überhaupt gehalten werden?
Ich pack‘ dich einfach nicht mehr!

Unsere Wahlkampagne wurde systematisch unterwandert. Sobald wir im Aufwind waren, wurden gezielt Dinge gegen uns an die Öffentlichkeit gespielt – unser Schaden ist immens.“

Nein, nicht „Dinge“ sondern haufenweise Leichen aus dem Keller. Extrem stinkende noch dazu. Ihr führt euch auf wie nigerianische Ladendiebe, die an der Kasse mit den Taschen voller Diebesgut erwischt werden und sich dann als Opfer böser rassistischer Kaufhausdetektive hinstellen.
Kernchen, diese Masche zieht nicht mehr! Ihr seid nicht die Opfer, ihr seid die Täter! Hör auf mit dem peinlichen Mimimi!

Ich bin in tiefer Sorge über diese Vorgänge, das ist demokratiezersetzend. Da zeichnet sich der größte politische Skandal der Zweiten Republik ab.“

Ihr fahrt den dreckigsten Wahlkampf der Zweiten Republik, lasst euch dabei erwischen und wollt uns dann was von „demokratiezersetzend“ erzählen? Weil ihr erwischt wurdet? Weil es jemand gewagt hat, euch zu erwischen? Und eine Zeitung es gewagt hat, darüber zu berichten?

Der größte politische Skandal der Zweiten Republik ist euer Versuch, sich Medien durch Hetze und Strafandrohung gefügig machen zu wollen. Eure Interventionen bei Zeitungen, ansonsten ihnen Inserate gestrichen werden, die ihr seit Jahren als Bestechungsmittel einsetzt. Eure Schmutzwahlkämpfe, eure Steuergeldverbraterei für internationale Experten des Dreckwerfens, eure von Inhalten (weil keine da sind) abgekoppelten Anwürfe gegen eine Person, und nein, diese Person bist nicht du, kleiner Modellbahner in der viel zu großen Uniform.

Aber es fällt schon auf, dass wir bisher ständig nur darüber geredet haben, was bei uns falsch gelaufen ist...“

Mimimi. Warum sollen sie dich interviewen über das, was bei anderen „falsch gelaufen ist“?
Bist du jetzt (noch) der Chef von diesem Sauladen oder nicht? Bekommst du monatlich einen fünfstelligen Betrag für Verantwortung? Dann hör auf zu Dummquatschen und übernimm sie! Bei euch ist nichts „falsch gelaufen“ sondern nur „dumm gelaufen“. Ihr habt den Bogen überspannt, und jetzt fliegen euch die Trümmer um die Ohren.

Ich beschäftige mich lieber mit Zukunftsfragen.“

Ach. Mit der gerechteren Bezahlung von Pizzaboten? Oder den Immobilienpreisen von TelAviv? Oder einem Beratervertrag für Start-Up-Förderungen?

Dass er sich im Rest des Interviews mal wieder dumpf auf „die Reichen“, natürlich besonders „die ÖVP-Spender“ einschießt, ist nur noch billiges Gesumpere. Inhaltlich widerlegt, denn für jeden Menschen mit rudimentären Rechenkenntnissen ist die Behauptung von der Steuervermeidung Pierers bereits schon längst als Lüge entlarvt – Kern merkt es nicht einmal, dass er sogar in diesem Interview schon wieder in die persönliche Anpatzerei verfällt, die scheinbar sehr wohl zu seinem Stil gehört. Und die es durchaus wahrscheinlich erscheinen lässt, dass er eben keinen Genierer hat, Dreckskampagnen gegen eine Person, egal ob Kurz oder Strache oder wen auch immer, in Auftrag zu geben.

Auch nicht zu bemerken scheint er, dass er in zwei Sätzen die Förderungen an die Wirtschaft als mieses schwarzes Wahlgeschenk verdammt (womit er ja durchaus Recht hat) und gleichzeitig Förderungen für die Wirtschaft fordert, um diese besser zum Abmelken vorzubereiten (wie man an den Inseraten sieht aber eher, um sie erpressbar zu machen). Der Spagat zwischen Unternehmerbashing und einer Frau, deren Geschäftsmodell darin besteht, Unternehmen staatliche Förderungen zu verschaffen, muss zwischen den Beinen ganz schön weh tun. Immerhin muss er das Fördergebaren des politischen Gegners verdammen und darf gleichzeitig die Einnahmequelle seiner Frau nicht gefährden.

Das Parkett der Wiener Sozenschickeria aus „Unternehmern“ mit Parteifinanzierung ist ziemlich glatt. Denn, Kernchen, eines lass dir gesimst sein: die Schwarzen kann man mit dem Vorwurf der Unternehmerfreundlichkeit nicht anpatzen, denn von denen erwartet man das. Aber ihr Roten, die ihr immer so tut als wäret ihr die Partei der Arbeiter, lebt selbst in einer pseudokapitalistischen Filterblase und saugt mit geschickten „Geschäfts“modellen Steuergeld in eure Taschen ab. Und dinniert dann mit milliardenschweren korrupten Spekulanten, denen Blutdiamanten am Ringfinger blinken, samt „geliehenen“ Nobel-Uhren im Nobel-Schuppen um die Ecke Bobo-Nobel-Fraß. Und jammert dann über Unglaubwürdigkeit?

Meine Kritik an Kurz ist, dass er immer nur Geschichten erzählt, aber nie etwas passiert.“

Meine auch. An Kurz und an dir. Ihr erzählt beide nur, was ihr tun wollt, wenn ihr mal in der Regierung sitzt.
Sitzt ihr schon. Beide. Ihr habt es nur noch nicht mitbekommen. Zwei Spätzünder.
Wird Zeit, dass ihr da wegkommt.
Alle beide.
Time to say goodbye...

Kommentare:

sokrates9 hat gesagt…

Ein schönes Interview in dem man sieht was man heute in Publizistik lernt! Schöne Sätze, die diametral den Tatsachen widersprechen!

Anonym hat gesagt…

Ausgezeichnet geschrieben und mit einen Schmunzeln gelesen

Anonym hat gesagt…

Herrlich!
war bisher noch nie auf diesem Blog; ab heute Pflichtlektüre!
nur zum Schluss die Relativierung mit Kurz war unnötig!!
Herzlichst
D.C.

Fragolin hat gesagt…

Werter D.C.,
herzlich willkommen und Danke für das Lob!
Ich betrachte den Schluss nicht als Relativierung, denn die Ablehnung beider Kandidaten resultiert für mich aus ihrer Inhaltsleere und Blenderei, ihrer kritiklosen EU-Unterwürfigkeit und ihrer Funktion als Feigenblatt vor hochkorrupten Abmelkungsvereinen namens "Partei", deren allzu langer ununterbrochener Verbleib an den Futtertrögen der Macht scheinbar grundsätzlich zu abgrundtiefer und den Staat schwerst schädigender Verlotterung führt.
Dass die SPÖ in ihren Methoden augenscheinlich den übelsten Dreckshaufen darstellt, der unsere politische Landschaft verschandelt, steht für mich außer Frage. Aber einige irregeleitete Zeit- und andere Genossen können sich nicht vorstellen, dass man, wenn man den einen Dreckhaufen ablehnt, nicht automatisch Fan des anderen sein muss; wohl auch weil eine meiner tiefen Grundüberzeugungen in einem grünen Balken ganz oben auf dieser Seite versteckt ist, den wohl nicht jeder als Zitat erkannt und gelesen hat.
Ich halte Parteien generell für ein Übel und die Pest der Demokratie. Dass mit Schwarz und Rot (nach dem Abschuss Kerns am 16.10.) sich Pest und Cholera für weitere fünf Jahre vereinen, um sich Österreich zur Beute zu machen, ist meine größte Befürchtung.
MfG Fragolin