„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Mittwoch, 18. April 2018

Zwei rechte Negerlein

... die wollten debattieren —
Die Linken trauten sich dann nicht,
So ließ man's schubladisieren ...


von LePenseur


Oder so ähnlich müßte der Kehrreim lauten, den man sich auf diese Meldung machen kann:

Nach Kritik an "Neger"-Ankündigung: MDR Sachsen setzt Radiosendung ab

Der Tweet rief in den sozialen Netzwerken heftige Proteste hervor. Zwei Diskutanten sagten daraufhin ihre Teilnahme ab. 

Nach massiver Kritik an einer Programmankündigung hat der MDR Sachsen die für Dienstag geplante Ausstrahlung einer Radiodiskussion abgesagt. Zuvor hatte die Redaktion mit der Frage "Darf man heute noch "Neger" sagen?" auf Twitter auf die Sendung hingewiesen und damit in sozialen Netzwerken heftige Proteste ausgelöst. Der Sender habe auf die Folge von "#dienstagsdirekt" verzichtet, "nachdem zwei der vier Gäste infolge des Tweets abgesagt haben", teilte MDR Sachsen per Twitter mit.
In der Sendung sollten die Rechtspopulistin Frauke Petry und der konservative Publizist Peter Hahne mit der Linken-Politikerin Kerstin Köditz und dem Soziologen Robert Feustel über "politische Korrektheit" diskutieren. Sie sagten nach dem umstrittenen MDR-Tweet ab. "Das Thema wurde bei einer kurzfristigen Sendungsankündigung mittlerweile in eine Richtung (weiter-)gedreht, die vollends indiskutabel ist", begründeten Köditz und Feustel in einer gemeinsamen Erklärung per Twitter. Dabei bekräftigten sie kritische Stimmen, "die grundsätzlich fragen, warum keine Menschen eingeladen wurden, die selbst von Rassismus betroffen sind".
... schreibt DiePresse (von APA/dpa ab, wie gewöhnlich). Tja, die Argumentation hat was! Man darf nicht nur nicht »Neger« sagen, man darf nicht mal fragen, ob man noch »Neger« sagen darf. Und demnächst wird auch die Frage, ob die Frage nach der Erlaubtheit eines »Neger«-Sagers erlaubt ist, ebenfalls verboten sein. Und dann die Frage nach der Frage, ob die Frage ... (bitte selbst weitertexten)

Ganz besonders originell ist freilich die Frage, »warum keine Menschen eingeladen wurden, die selbst von Rassismus betroffen sind«, wenn ohnehin Menschen eingeladen worden sind, die selbst von einem massiven und einen »rassistischen« durchaus vergleichbar Vorurteil unmittelbar betroffen sind: nämlich dem, daß »rechts« sowas wie »charakterlich letztklassig und verachtenswert« sei (also ein »Wertetumor«, wie Seine Diplomatische Exzellenz Asselborn von Luxemburg wohl ganz elegant formulieren würde).

Ist es nicht! Verachtenswert sind vielmehr die kleinen Feiglinge, die vor der Diskussion gekniffen haben, weil sogar sie gemerkt haben, daß ihr gutmenschliches Gesülze den Menschen einfach auf den Zeiger geht. Warum ein Wort, das nicht irgendwann im Spätmittelalter, sondern noch bis in die 1980er-Jahre hinein kein Mensch als »rassistisch« bezeichnet hätte, das sich völlig wertneutral in seriösen Lexikonartikeln und Fachpublikationen fand, auf einmal »rassistisch« sein soll, erschließt sich nämlich keinem, der nicht von der political correctness gehirngewaschen wurde! Die Sprache ändert sich nicht in wenigen Jahren — die braucht Jahrhunderte, um ein Wort auf natürliche Weise in seinem Sinngehalt zu verändern.

So, wie das »Weib« langsam — so zirka ab der Weimarer Klassik — durch die »Frau« abgelöst wurde, und irgendwann dann nach dem Vaticanum II auch aus dem Rosenkranz (»... gebenedeit unter den Weibern ...«) eliminiert wurde. Und jetzt soll sowas auf einmal im Schnellzugstempo passiert sein? Meyers Enzyklopädie (9. Aufl. 1971-1985) verzeichnet unter dem Lemma »Washington« noch unbefangen den Prozentsatz an Negern unter den dortigen Einwohnern — und bloß ein paar Jahre danach sollte das Wort plötzlich »rassistisch« sein?

Ach, macht euch doch nicht so lächerlich ...

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