„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Donnerstag, 2. März 2017

Fluch der Freiheit



oder: Warum es manchmal besser ist, sich von einer Domina auspeitschen zu lassen.


Freiheit bedeutet auch, die Freiheit zu besitzen, auf die Fresse zu fallen. Macht nichts, wichtig ist nur, wieder aufzustehen und dabei einen Zoll größer zu werden.
Aber das ist ja sowas von radikal neoliberaldingsbumsirgendwas, klingt kalt nach Eigenverantwortung und Realität; das hat ja gar nichts von der kuscheligen Nestwärme des Safe Space, dieser riesigen Gummizelle für das eigene Hirn, die sich so schön mit Kätzchen- und Welpenbildern tapezieren lässt und wo das vegane Schnitzel aus rein biologischem Anbau kommt und keine Konservierungsstoffe enthält, und das ist sooo lecker und toll und nachhaltig und bio, dass das unbedingt alle essen müssen, zur Not unter Androhung roher Gewalt. Der Staat muss her, denen das gewaltsam am Veggie-Day in den Hals stopfen und jeden, der heimlich haram Pappi futtert am halal Tag den Kopf ab… äh, naja, oder so.

Jedenfalls hat hier in der allseits beliebten Hochqualitätszeitung „Zeit“ ein aufstrebender Nachwuchsjournalist, der in seinem ganzen Leben noch nichts anderes war als, äh, aufstrebender Nachwuchsjournalist, einen Artikel verfasst, der eine mentale Grundverfassung zutage fördert, die einen schaudern lässt.

„Ich will Verbote!“ lautet der Titel. Erinnert mich irgendwie an die peitschenknallende Domina, die auf dem Sportkanal die Werbeblöcke nach 23 Uhr dominiert und dem verschreckten Fernsehzuschauer ein „Ruf! Mich! An!“ entgegenbellt, bis dieser vor Angst, sonst von ihr abgeholt zu werden, zum Hörer greift. Wie jemand drauf sein muss, der sowas aufgeilend findet, mag ich mir jetzt nicht vorstellen, aber der Satz „Ich will Verbote!“ passt gut als Punkt Eins auf dem Wunschzettel des devoten Sklaven, der brav an der Kette hinter dieser Matrone herkrabbelt. Im Zusammenhang mit staatlichen Verboten bekommt diese Domina jetzt auch noch das Gesicht von Merkel oder Roth – ggrrrr, weiche, Kopfkino!

Mit Erdowahn oder Putin oder Trump müsste dieser Mensch doch seine Freude haben. Da bekommt man ordentliche Verbote geliefert – aber ach, das sind ja wieder die Falschen. Die falschen Verbote, die falschen Typen, nein, der intellektuell anspruchsvolle (ja, liebe „Zeit“, den werde ich euch noch oft auf die Stulle schmieren, um es mal Deutsch zu sagen) Sklave von heute sucht sich selbstbewusst die Domina aus, von der er am Nasenring durchs Leben gezogen werden möchte und will auch selbst festlegen, wie genau er jetzt unterdrückt werden möchte.

Das Blöde am Staat ist nur, dass der nicht auf die Bezahlung angewiesen ist, weil er sich die sowieso holt, auch wenn der Kunde unzufrieden ist, und deshalb unterdrückt er auch so, wie es ihm selbst am nützlichsten erscheint. Und so stellen diese devoten Masochisten meist erst an der Kette hängend fest, dass die Domina ihren eigenen Kopf hat und sich einen Dreck um die Wünsche ihres Sklaven schert. Aber selbst dann sind sie zufrieden, wenn die Kette nur in der richtigen Hand liegt, egal wohin sie daran gezerrt werden – das reden sie sich dann irgendwie schön, denn zuzugeben, ein Idiot zu sein, will ja jeder vermeiden.

„Wir leben über unsere Verhältnisse. Deshalb brauchen wir jemanden, der uns auf die Finger haut. Anders ist die Welt nicht zu retten, sagt unser Autor.“

Ja, ihr von der „Zeit“ lebt vielleicht über eure Verhältnisse. Aber wir, die wir für euch ihr sind, tun das nicht. Dass ihr jemanden braucht, der euch auf die Finger haut, vor Allem einigen eurer Schreiberlinge wenn sie mal wieder ihren Federkiel allzu alternativ faktisch oder gleich faktenfrei behauptisch, präpotent welterklärbärisch oder sogar abgehoben weltenretterisch führen, das kann ich bestätigen und stehe für diese Aufgabe auch ehrenamtlich immer wieder gerne zur Verfügung. Ein Autor, der mir erklären will, wie ich mich verhalten und wem ich mich unterwerfen muss, um „die Welt zu retten“, der ist selbst nicht zu retten. Wann kommen diese Traumtänzer endlich mal aus ihrem Elfenbeinturm heraus und schalten ihr Hirn von Fantasy auf Realität um? Hier müssen keine Hobbits einen Klunker in einen Vulkan schmeißen um die Welt zu retten. Hier müssten masochistische Schwächlinge erstmal aufhören nach der strengen Hand der Mama zu greinen und Selbstverantwortung lernen. Das rettet nicht die Welt (die muss und will nämlich gar nicht gerettet werden, weil sie als Person etwa so existent ist wie das Osterwochenende oder der Regenbogen), aber verschont die Umwelt, und zwar die Menschen in dieser Umwelt, vor geistiger Diarrhöe.

Und so beginnt es: Der Jungspund von Autor geht in einen Supermarkt, und dieser wagt es in seiner neoliberalistisch-weltzerstörerischen Einstellung, neben den ganz normalen Salatköpfen auch Tassen mit fertig gemischtem Salat plus Gabel anzubieten.

Dass der Fertigsalat aus der Frischetheke ja hauptsächlich jene ansprechen soll, die kurzentschlossen in der früh noch etwas für die Arbeit mitnehmen wollen, und nicht jene, die etwas zum Kochen brauchen, hat dem Männlein seine Mama nicht beigebracht. Dass er diese Tasse nicht kaufen muss sondern ebenso den Salatkopf nehmen kann, hat er auch nicht begriffen. Dass viele Menschen eben nicht über ihre Verhältnisse leben sondern durchaus den Preis vom Salatkopf mit dem höheren Mengenpreis der Tasse vergleichen und die billigere Variante kaufen, weil sich von Mindestlohn oder Hartz IV mehr nicht ausgeht, auch nicht. Dass es eigentlich eine bestimmte Gruppe von Menschen ist, hauptsächlich weiblich, manche auch vegetarisch oder vegan, berufstätig und mit sehr wenig Zeit weil vor der Arbeit drei Kinder versorgt und in die Schule gebracht werden und ohne Bock auf eine Schinkensemmel aus der Jausentheke, die dort als Zielgruppe angesprochen wird, auch nicht. Egal. Will er haben, Geld hat er genug, faul genug ist er auch – also kauft er das, was gar nicht für ihn gedacht war, obwohl er es nicht braucht – und gibt allen Anderen die Schuld daran!

Ha, da ist es wieder, das Schneeflöckchenverhalten. Jeder Scheiß, den man selbst verbockt, aus Dummheit, aus Faulheit, aus Feigheit, aus Unverstand und Unfähigkeit, muss grundsätzlich von anderen verschuldet sein. Weil es so ist! Weil man selbst ja so schwach, so nachgiebig, so leicht zu verführen ist. Früher hätte man sowas am Schulhof als „Pussi“ verlacht, aber heute ist das ja schon normal, Feminismus für Alle, mit dem vollen Anrecht auf diskriminiert und benachteiligt fühlen – außer man ist Mann, weiß und vor 1980 geboren.

„Einen Salatkopf kann ich selbst zerlegen. Dressing zusammenrühren auch. Erst recht besitze ich eine eigene Gabel. Ich wollte den Salat schließlich zu Hause essen. Trotzdem dachte ich: Ist doch praktisch, mehr Zeit für mich.“

Man möchte ihm zurufen: Wenn du es kannst, was ich bezweifle, dann tu es einfach, und wenn du zu faul bist, es zu tun, dann mache nicht andere für deine Faulheit verantwortlich! „Trotzdem dachte ich…“ – Hahaha, ist halt so eine Sache mit dem Denken. Man kann nämlich auch die Zubereitung von Speisen als „Zeit für mich“ definieren, hängt doch nur von der eigenen Einstellung ab; hat da jemand in Konstruktivismus nicht aufgepasst? Unsere intellektülle Jugend glaubt ja immer, Konstruktivismus würde bedeuten, durch Denken und Sprache die Welt zu verändern, was absoluter Voodoo ist und zeigt, dass keiner von denen der Materie noch sinnerfassend folgen kann, es verändert nämlich nur unser ganz persönliches Bild von der Welt. Ob mir eine Tätigkeit gefällt oder nicht, ob ich ein Ergebnis als Gewinn oder Verlust betrachte, das hängt nämlich ganz allein von mir und meiner Einstellung ab. Also wie wäre es mal mit einer kleinen konstruktivistischen Grundübung: Wie schaffe ich es, auch die Zubereitung von Speisen für mich als „Zeit für mich“ positiv zu sehen und nicht als lästige Ablenkung vom Twittern oder Facebooken oder Computerspielen oder sinnlose Artikel schreiben?

„Wir alle werden es wieder tun: Sachen konsumieren, die nicht sein müssten. Weil wir bequem sind.“

Wir alle? Wie viele ist der denn? Also ich sehe mich auch in dem folgenden Sulf von Aufzählung nirgends wieder. Ich bin kein Teil von deinem „Wir“ und ich finde es eine präpotente Unverschämtheit, im Namen der ganzen Menschheit zu sprechen. In „Diversity Management“ genauso aufgepasst wie im Konstruktivismus? Jaja, das Spielen am neuen Handy lenkt ab.
Wer den Spruch „Was ich denk und was ich tu, das trau ich anderen zu“ live erleben möchte, muss nur dem Geschreibsel folgen. Weil er selbst seinen Konsumwahn nicht im Griff hat, unterstellt er jedem, so zu sein wie er.

Es ist das Gleiche, was ich bei vielen Gutmenschen im Blick auf ihre „Flüchtlinge“ beobachten kann: die versuchen nicht eine Sekunde, das zu verstehen, was sich in dem Anderen abspielt, was genau der Antrieb und Grund für dessen Handeln sein könnte, sondern projizieren ausschließlich sich selbst in andere hinein und erfinden damit eine geklonte Persönlichkeit ihrer selbst. Die glauben, sie sind empathisch, dabei sind sie nur aggressiv egozentrisch und versuchen zur Not mit Gewalt alle anderen Menschen mit sich selbst zu füllen. Und geben erst Ruhe, wenn alle gleich ihnen selbst sind. Und weil sie so schwach und diskriminiert sind und nicht die ganze Menschheit in ihr eigenes Abbild prügeln können, soll der Große Führer das übernehmen, der Staat, der gestrenge Übervater, der Verbieter und Bestrafer soll mich formen und erziehen und alle anderen zwangsweise gleich mit.
Was für ein Würstchendenken.

„Verschwendung ist kein Kavaliersdelikt. Niemand hat das Recht, sich mehr zu nehmen, als er braucht.“

Und wer legt fest, was jemand braucht, wann Verschwendung beginnt? Der Staat? Anhand von Bedarfschecklisten und Kalorientabellen? Wie wäre es mit Lebensmittelmarken? Butterrationierung wäre angesagt. Genau, du darfst zwar rund um die Uhr arbeiten, aber was du dir davon leistest, das legt der Staat fest. Bargeld wird abgeschafft, du bekommst alles auf Bezugsmarken und darfst als verdienter Genosse vielleicht auch mal einen Antrag auf eine Sondervergütung stellen, einen größeren Fernseher oder einen zweiten Fleischtag in jeder ersten Woche des Monats.
Meine Fresse, so weit ist nicht mal Stalin gekommen. Eher Mao. Ein absolutes Erfolgskonzept. Bitte, bitte, geh in den SM-Club und lass dich von einer Domina mal so richtig erziehen, aber versuche nicht, deinen Masochismus über die ganze Menschheit zu kübeln!

„Verbote zu fordern heißt, die Fehlbarkeit des Menschen verstanden zu haben.“

Nein, Verbote zu fordern heißt als Mensch versagt und gar nichts verstanden zu haben.
Warum ist er als Mensch so schwach, dass er andere Menschen braucht, die ihm unter Androhung von Dudu und Popoklatsch Verbote aussprechen, ihm Dinge gewaltsam entziehen, zu deren Einsatz mit Maß und Ziel er selbst nicht in der Lage ist? Wo liegt der Kern der Unfähigkeit, sein Gehirn einzuschalten und nach reinen Gründen der Vernunft zu entscheiden?

Und wie tief muss man in diese Unfähigkeit eingesunken sein, um ausgerechnet jene Gestalten um Verbote anzubetteln, die die Vernunft aus ihrer Politik komplett verbannt und sich willig der postfaktischen Bauchgefühlspolitik verschrieben haben? Gibt es da noch eine Gehirnzelle, irgendwo zwischen der Verzweiflung über unbenutzte weggeworfene Plastikgabeln und das zweite Steak in der Woche, die sich fragt, was man eigentlich rauchen muss, um auf den Gedanken zu kommen, alle Menschen einzusperren nur weil man selbst unter Agoraphobie leidet?

„Aber Fleischverzicht ist kein Freiheitsentzug.“

Wenn er erzwungen wird: doch. Genau das ist es. Der Entzug der Freiheit, selbst zu entscheiden, ist Freiheitsentzug. Verzicht bedeutet nämlich immer Freiwilligkeit. Was ist los in diesen ganzen Sprach- und Wortstudien, dass die Wortjongleure von heute in ihrer Ausbildung scheinbar die einfachsten Begriffsunterschiede nicht mehr zu erkennen lernen? Verzicht, Solidarität, Hilfe – das sind alles Dinge, die ich ausschließlich freiwillig geben kann. Sowie ich diese per Zwang durchsetze, heißen sie Entzug, Enteignung und Fron. Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel und Robin Hood war eben nur ein Straßenräuber, der einen Teil der Beute an Bedürftige verteilte. Ein Straßenräuber mit einem gut klingenden Argument ist trotzdem ein Straßenräuber. Verwendet endlich mal die richtigen Worte!

„Von Rhabarberschorle steht nichts im Grundgesetz.“

Stimmt. Aber von Freiheit. Jetzt müsste man nur begreifen, was dieses Wort eigentlich bedeutet. Und da hapert es gewaltig.
Wie sieht denn die schöne neue Welt dieses Herren aus?

„Verbietet überflüssige Autofahrten, indem jeder Bürger nur noch das Recht auf eine bestimmte Menge Sprit hat!“

Da geht es doch schon los. Was ist überflüssig? Bekommt jeder die gleiche Rationierung? Was ist, wenn einer berufsbedingt mehr unterwegs sein muss als ein anderer? Gibt es dann ein bedarfserhebendes, Bedarfsformulare aus chlorfrei gebleichtem Recyclingpapier bearbeitendes und Spritrationierungen zuweisendes Spritmarkenamt, auf dem der Bürger sich zum Monatsersten zur Ausgabezeit zwischen 9 und 11 Uhr in die Schlange um die monatlichen Kontingentmarken stellen darf? Oder geht das mit Whatsapp? Muss dann jeder ein Handy haben und Plastikkarten zum Aufladen oder wie stellt der sich das vor?
Ich muss mir wirklich immer wieder vor Augen führen, hier die Ausflüsse eines studierten Menschen zu lesen. Es fällt schwer. Es bereitet Ungemach. Der Gedanke, dass andere im gleichen Block infiltrier..., äh, studierte Menschen auf Entscheidungspositionen sitzen oder diese in Zukunft besetzen könnten, lässt den Blick in die Zukunft bitter erscheinen.

Doch weiter im Rollenspiel des Überzeugungsmasochisten: Wenn einer seine Rationierung mal nicht aufbraucht, bekommt er eine Gutschrift? Oder darf er die weiterverkaufen? Ich sehe vor meinem Inneren Auge den blühenden Schwarzmarkt mit als Wasserflaschen getarnten Spritportionen, von einer miesen Mafia gestreckt bis die technisch hochgezüchtete Mechanik im modernen Niedrigverbrauchswagen am gepanschten Dreck verreckt, den man sich im Tausch gegen heimlich gehortete Butter und Schnitzel am Schwarzmarkt besorgt hat um sich irgendwann in den nächsten drei Jahre eine Autofahrt ans Meer leisten zu können statt stundenlang in überfüllten Zügen mit den darin marodierenden Horden von Schwarzhändlern, Trickbetrügern und Beutelschneidern mit drei Kindern und der Oma zu verbringen.
Aber Halt, was verboten ist, ist verboten, da legt der junge Masochist von heute hohe Maßstäbe an die moderne Domina!

„Und wer sich nicht an die Verbote hält, der wird vor ein Gericht gestellt…“

Jawoll! Da knallen die Hacken zusammen! Der Gerichtshof für Volksgesundheit, Klima und Weltenrettung erklärt Sie für schuldig im Sinne der Anklage, im Mai des vergangenen Jahres ihr Fahrzeug mit einem halben Liter Sprit zusätzlich betankt und eine nicht genehmigte Sonderfahrt zu Ihrer Tante Trude unternommen zu haben, vor deren Haus Ihr Auto von den Weltenrettungsüberwachungsbeamten entdeckt und eindeutig identifiziert wurde! Ihre Ausrede, die Tante wäre sterbenskrank, kann nicht gelten, denn nachweislich verstarb sie erst zwei Wochen später, was Ihnen genug Zeit für eine Antragstellung auf Zuteilung einer Sonderration für besonders wichtige Fälle gegeben hätte! Wir verurteilen Sie hiermit zum Entzug der Berechtigung auf Spritbezug für ein Jahr und eine Strafe in Höhe von zwölf Wochenbutterzuteilungsmarken!

Ja, so stelle ich mir eine gerettete Welt vor.

„Was wir als Konsumfreiheit bezeichnen, ist in Wahrheit oft nur als Recht getarnte Bequemlichkeit. Konsumverbote beschränken die Freiheit zu konsumieren, nicht die politische.“

Nein, es ist nicht als Recht getarnte Bequemlichkeit sondern das Recht auf Bequemlichkeit, das Recht auf eigene Entscheidung, bequem sein zu wollen oder eben nicht. Worte und deren Bedeutung, immer und immer wieder.
Es geht auch nicht um politische Freiheit, sondern um persönliche. Das Persönlichkeitsrecht der Freiheit taucht in dem ganzen Pamphlet nicht ein einziges Mal als solches postuliert auf. Weiß der eigentlich, was er da schreibt?

„In einer Welt mit vielen Verboten müssten wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, ob das, was wir tun, der Umwelt oder unseren Mitmenschen schadet. Kein schlechtes Gewissen ertragen, wenn ein Fahrradfahrer mit Jutebeutel an uns vorbeiradelt. Wir wären plötzlich viel freier.“

Man kann nur noch anraten, sich selbst in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Warum? Weil man dort ein warmes Bett hat, drei Mahlzeiten am Tag bekommt, nur die guten und gesunden Sachen, keine Autofahrten und keine Luxusgüter mehr braucht, keine Gedanken mehr machen – endlich frei! Und gegen das schlechte Gewissen gegenüber Fahrradfahrern mit Jutebeuteln haben die Ärzte auch was.

Denn die Freiheit, die hier bejubelt wird, ist die Freiheit von Gedanken, von Sorgen, von Kümmern um sich selbst und seine Umwelt, von Verantwortung. Die Sorglosigkeit des Sklaven, der sich keine Gedanken um sein Los machen muss, weil der Massa teilt eh das Essen zu und sagt was zu tun und zu lassen ist und beschützt mich vor bösen Gedanken und den Gefahren der Freiheit. Ich kann nicht auf die Fresse fallen, außer der Massa verlangt das von mir, dann tu ich das gerne, aber aus Versehen einfach so, nein, da beschützt mich der Massa…
Was für eine erbärmliche Sichtweise. Sperr mich ein, ich will mich um nichts scheren, ich habe zwar studiert doch ich bin zu faul zum Denken.

„In Wirklichkeit sehne ich, sehnen wir uns nach dem Mann, der im Supermarkt neben uns tritt und sagt: Plastiksalat mit Plastikgabel? Das stellen Sie mal schön wieder ins Regal. Und dann schaut er uns sehr böse an.“

Erstens: Mache nie aus einem „ich“ ein „wir“ wenn du ernstgenommen werden willst und nicht als überheblicher Spinner oder Psycherl abgestempelt.
Zweitens: Das Männchen sitzt im Ohr und wenn du ihm nicht zuhörst, mach nicht andere dafür verantwortlich. Nennt sich Gewissen, wird von Vernunft gespeist. Na gut, da muss erstmal was zum Speisen da sein.
Drittens: Masochistische Anwandlungen kann man, siehe Tipp weiter oben, im nächsten SM-Bunker ausleben. Lass dich die gestrenge Marianne dafür bestrafen, was für ein böser Bube du warst weil du eine Plastikgabel weggeworfen hast, zur Strafe musst du zwei Stunden am Kettler mit angeschlossenem Generator Strafstrom erzeugen und damit Batterien von Elektrofahrrädern laden. Dann noch ein paar Peitschenhiebe und gut ist’s für heute.
Bevor du Verbote und Strafen für andere forderst, lerne erstmal nach den Regeln zu leben, die du anderen aufzwingen willst. Verlange niemals von Anderen, was du nicht selbst freiwillig zu geben bereit bist. Phantasiere nicht aus dem weichen Drehsessel im warmen (hoffentlich nicht überheizten) Zimmer heraus ein Was-wäre-wenn sondern lebe zwei Jahre irgendwo in einer sibirischen Kleinstadt all diesen Verzicht, sammle Erfahrungen, verarbeite die und ziehe dann deine Schlüsse. Und hör auf, anderen vorschreiben lassen zu wollen, wieviel sie wovon haben dürfen und wie sie ihr Leben und Handeln zu gestalten haben. Wir brauchen nicht auch noch Umweltsalafisten, die uns Verhaltensregeln samt Scharia überstülpen wollen um die Unterwerfung unter noch eine Weltenretterreligion zu erzwingen und Apostaten in den Kerker zu werfen oder gleich zu Soylent Green zu schreddern. Geh ins Kloster, aber verlange nicht von anderen Askese.


Was ist dieses ganze Pamphlet?

Ein Plädoyer für den Nanny-Staat, die Kuschelsklaverei, ein Leben als Eloi, määähh...  Ist diese Generation geistig bereits so degeneriert, dass der Nachwuchs der angeblich intellektuell anspruchsvollen Wortkünstler, Gesellschaftserklärer und progressiven Vordenker nur noch auf die Idee kommt, man müsse den unmündigen dumpfen Menschen einfach alles verbieten, anstatt sie – und jetzt kommt der Clou, denn das wäre eigentlich die Kernaufgabe dieser universitär hochgezüchteten Irgendwas-mit-Medien-und-Sprache-Studierten – zu informieren, zu bilden und sie dabei zu unterstützen, zu eigenverantwortlichem Handeln befähigt zu werden?! Wenn er der inneren Überzeugung ist, man kann Menschen nicht zu höherem Verantwortungsbewusstsein führen und könne nur Appellieren oder Drohen, dann hat er seinen Job verfehlt und das ganze Studium war für die Fisch‘.

Das ist nämlich der Kern des Pudels: die Menschen benötigen keine übergeordneten Verantwortungsinstanzen sondern müssen in die Lage versetzt werden, eigenverantwortlich zu handeln. Dazu bedarf es objektiver Information und der Fähigkeit, diese für sein eigenes Handeln zu adaptieren. Wird nicht mehr gelehrt, ach was, wird nicht einmal darüber nachgedacht, sonst hätte dieser kleine Harry Potter des Federkiels nicht solchen Stuss zusammengeschrieben, der eigentlich nur eine Mischung aus Überheblichkeit anderen gegenüber und dem Geständnis eigener Unfähigkeit zur Selbstverantwortung darstellt.
Traurig, diesen Niedergang erleben zu müssen.

Ich will keine Verbote! Ich will Erlaubnisse!

Kommentare:

Gerd Franken hat gesagt…

Zitat aus der Zeit: "Die Folgen unseres Konsums werden wir erst dann bemerken, wenn irgendwann der Ozean vor der Tür steht. Bloß ist es dann eben zu spät."

Bei unseren Nachbarn, den Holländern, steht der Ozean schon seid geraumer Zeit vor der Tür. Sie züchten Tomaten, sammeln in den Früchten das überflüssige(!) Wasser und exportieren diese ins Ausland. Ich will Kreativität, keine Verbote!

dna1 hat gesagt…

Aso das ist wirklich ein unfassbarer Blödsinn, was dieser "Journalist" da von sich gibt.
In seiner Welt würde ich bei grün über die Kreuzung fahren, und das Kind, dass zufällig bei rot darüber läuft, einfach über den Haufen fahren, und hinterher von deren Eltern Schadenersatz für die Beule an meinem Auto verlangen. Immerhin war ich im Recht, und das Kind hat gegen ein Verbot verstoßen.
Eigene Verantwortung brauch ich nicht mehr, weil die Welt ist ja perfekt, sobald sich jeder nur penibel an die Gesetze und Vorschriften hält,.......will der uns weismachen.

Genau das Gegenteil sollte man aber tun, weniger Gesetze und Vorschriften, mehr Eigenverantwortung.

M.H. hat gesagt…

Das Geschreibsel dieses jungen Genius gehört als "Hassprech gegen den mündigen Bürger" betitelt. Jeder der dazu noch fähig ist soll lesen was die Verachtung des Intellektes in einen "Intellektuellen" anzurichten vermag.

Fragolin hat gesagt…

Werter Gerd Franken,
dieses dümmliche Floskelbingo um Klimawandel, sterbende Eisbären und steigende Meeresspiegel kann man nicht einmal mehr kommentieren. Habe mir erst vor Kurzem eine interessante Doku über Südseeineln angeschaut, die nach dem Sprecher im off in spätestens 10 Jahren für immer im Meer versunken sein werden. Die Doku war von 2004, die Inseln gibt es heute noch. So ein Pech.
Und was die Kreativität angeht: Ganz Ihrer Meinung! Dieses geschwätzstudierte Jungchen kann zwar nach der Domina plärren, aber sich Gedanken machen, praktische Lösungen suchen und finden und diese als Unternehmer umsetzen, die Welt verbessern durch aktive Verbesserung statt jämmerlichem Greinen - dazu scheint er intellektuell nicht in der Lage zu sein. Und diese Leute wollen andere als dumm, abgehängt und sonstwas bezeichnen.

Werte dna1,
der merkt ja nicht einmal, was für einen Blödsinn er da fordert. Wie angedeutet, wäre allein der Verwaltungsaufwand für Benzin-Rationierungen geradezu katastrophal, vom Aufwand der Bekämpfung eines Schwarzmarktes mal ganz abgesehen; aber stramme Staatsuntertanen würden ein Aufblähen der Verwaltung auf Kosten explodierender Staatsverschuldung noch als Konjunkturprogramm gegen Arbeitslosigkeit bejubeln. Und gutmenschliche Blockwarte auch noch jeden in den Knast gesteckten oder in den Konkurs gestürzten "Sünder" bejubeln. Solche Leute warfen früher den Dreck auf die Leute am Pranger und trugen der Inquisition die Sündenregister der Nachbarn zu.
Ich würde als einzige Zwangsmaßnahme des Staates gegen diesen Schreiberling vorschlagen, auf die Innenseite seiner Klotür den Spruch zu hängen: Bedenke worum du bittest, denn es könnte in Erfüllung gehen! Dann kann er beim Drücken der Spülung darüber nachdenken, welche Strafe ihn ereilen könnte, sollte er wegen einer Verstopfung im Klo verbotenerweise die Spülung das zweite Mal betätigen. Oder wie er die Schweinerei weg bekommt, falls gerade seine tägliche Spülwasserrationierung abgelaufen ist.
Manche Tage weiß ich nicht, wohin ich mir fassen soll, denn der Kopf erscheint mir zu schade für solche Leute.

Werte/r M.H.,
nicht so hart, ich glaube nicht, dass der junge Mann hasst. Das ist nur das Produkt dessen, was heute aus den Orchideen- und Geschwätzstudien der Universitäten in die Redaktionsstuben, Bildungsinstitute, Schulen, Sozialgemeinschaften, Behörden und NG-Arbeitsbeschaffungsorganisationen gekippt wird. Die wissen es nicht besser. Die können Stickoxide nicht von Methan und solches nicht von Feinstaub unterscheiden und glauben, wenn jemand in der Hunderter-Zone zehn km/h zu schnell fährt fallen in der Arktis sofort drei Eisbären tot um und der Meeresspiegel hebt sich vor Schreck.
Man sollte Mitleid haben mit denen. In einer vernunftgelenkten Welt würden viele dieser Universitätsabgänger als akademisches Prekariat Tagelöhnerarbeiten verrichten, Taxi fahren oder im Möbellager Stapler fahren.

MfG Fragolin

fischer hat gesagt…




Gab es da nicht kürzlich ein grelles Schlaglicht auf die - zumindest geäußerte - Gedankenwelt eines Herrn Joffe?

Der Müll kann nicht gegen den Strom schwimmen.

Anonym hat gesagt…

Es ist glaufen Leute! Die linken Gutlöcher werden diesen Kampf gewinnen. Sie haben sich mit den Islamisten verbündet und sind in der Mehrzahl.
Die Dummen vermehren sich und die Klugen sterben aus.

M.H. hat gesagt…

Werte/r Fragolin,

"nicht so hart,." Ja, dass ist das andere Übel: Man selbst verliert den klaren Blick ob solchen Gewächses. Es fehlt mir wohl an den nötigen Abstand diesen wuchernden Trieben staatlicher Erziehungsverrückung mehr als interssierter Botaniker und weniger als besorgter Hüter eines bescheidenen Gartens zu begegnen.

Wenn ich an die Gespräche ob "Freiheit" und "freien Willens" aus meiner Studienzeit denke und dann Lesen muss was heute ein Blatt wie "Die Zeit" dazu über seine Leser kippt, arbeitet es heftig in mir...und wir waren "nur" Naturwissenschaftler.

Ach ja, Eisbären. Davon gibt es übrigen heute ca. 5 mal soviele wie vor 70 Jahren (http://www.achgut.com/artikel/wie_sie_uns_einen_eisbaeren_aufbinden)

MFG M.H.