„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Samstag, 24. Juni 2017

Gedanken zur Religion

Weil ich gestern eine kleine Diskussion im „Presse“-Forum hatte und mir so meine Gedanken zu Religion und Religionsgemeinschaft machte, möchte ich die Schnipsel auch hier in meinen Blog streuseln.

Man kann an Gott glauben, muss aber deshalb nicht Mönch oder Nonne werden. Der Islam verlangt aber die komplette Hingabe jedes Menschen an den Glauben.
Ich kann einem Menschen, der an Gott glaubt, sich aber die Meinung leistet, dass es genau deswegen eine Blasphemie darstellt, wenn eine Menschengruppe festlegt, ob ein Gebet an diesen Gott gültig ist oder nicht (das muss Gott wohl selbst entscheiden), nicht einfach den Glauben absprechen. (Anm.: Ich glaube nicht nur an Gott sondern auch daran, dass Er uns ein Gehirn geschenkt hat, um es zu benutzen, und halte alle, die uns genau das verbieten wollen und Menschen als Gottes Herdenvieh abstempeln, für Gotteslästerer und Verführer des Satans.)
Islam und Säkularität sind unvereinbar. Allerdings gilt das auch für die anderen monotheistischen Religionen, wenn man sie wörtlich nimmt.
Die Frage ist: Muss man das?

(Antwort: Natürlich nicht. Das ist genau jene Selbstbestimmung, die den Menschen als Gottes Ebenbild vom Tier unterscheidet, die den Göttlichen Funken in jedem Menschen darstellt.)

Ich glaube, das Problem liegt darin, dass es im Islam kein Konzept gibt, den Glauben individuell zu leben. Das Christentum kennt unzählige Konfessionen, der Islam besitzt zwar Hauptströmungen, aber die besonders fundamentalistischen haben alle anderen bisher recht erfolgreich ausgerottet. Es gibt keine Ökumene. Hat im Christentum ja auch eine Weile gedauert, aber im Islam gibt es nicht einmal einen sichtbaren Spalt zum Ansetzen eines ökumenischen Hebels.
Das Fatale ist, dass so die Sicht entsteht, dass der wahre Islam eigentlich das ist, was wir heute verschämt Islamismus nennen, während die moderaten Muslime eigentlich eine Abspaltung sind, die diesen Namen gar nicht mehr verdienen. Damit hätte erschreckenderweise der Islamismus von Erdogan bis IS recht, denn das ist genau deren Argumentationsschiene...

Noch eine Frage: Warum müssen Glaube und Verhaltenskodex aneinander gekoppelt sein?
Warum soll man nicht an einen Gott und die Menschwerdung seines Sohnes ebenso glauben wie daran, dass die Regelwerke, die daraus abgeleitet wurden, menschgemacht und damit fehlbar sind? Was hat der reine Glaube mit den von Menschen darangekoppelten Ritualen zu tun? Ist der Schöpfer eines ganzen Universums wirklich ein alter Griesgram, den man nur besänftigen kann, indem man zu bestimmten Zeiten hungert, seine Frau unter einem Stoffkostüm versteckt und fünfmal am Tag eine Formel murmelt, dass man alle, die sich nicht an dieses Regelwerk halten, verachtet und bekämpfen muss?
Solange Religionsgemeinschaften sich nicht über ihren Glauben sondern über eine Ritualgemeinschaft definieren, sind sie nichts anderes als eine Rockergang mit einem Statutenwerk, die sich über uniforme Kleidung und codierte Rituale erkennt und daraus ihren Zusammenhalt schweißt. Das hat aber nichts mehr mit Gott zu tun sondern nur noch mit menschlichem Zugehörigkeitsbedürfnis zu einem Rudel.
Wenn man also sagt: Definiere Muslim! - definiert sich der dann über seinen Glauben an Allah und seinen Propheten oder über die Rituale und Kleiderordnungen, die irgendwelche Wächterräte daraus abgeleitet haben?

Kommentare:

Heinz hat gesagt…

Sehr geehrter Fragolin,

Es werden so viele Abhandlungen über den Islam mitsamt Vergleich mit dem Christentum geschrieben und alle, wirklich alle gehen m.M.n. völlig am Kern der Sache vorbei.

Auch sie beleuchten hier einige Themen und daran ist nichts auszusetzen, aber der große Unterschied und Ursprung für die Probleme in unserer Gesellschaft liegt einzig darin, dass eine große Mehrheit der Islamisten einfach völlig verblödete intelligenzbefreite Volltrottel sind (das wird mir jetzt viele Buhrufe einbringen, ich weiß. Aber bitte, "alle" habe ich nicht geschrieben, das wäre ja auch falsch.).
Noch bis vor wenigen Jahrzehnten war es im Christentum auch nicht gleichgültig, ob sie an Gott geglaubt haben oder nicht, da sind sie ziemlich schnell in die Inquisition geraten und vorbei war es mit ihnen. Diese Zeit hat das Christentum überwunden, nicht weil die Bibel dem Koran so meilenweit überlegen ist (auch die Bibel ist nur ein Märchenbuch, so wie der Koran oder die Werke der Gebrüder Grimm, im Gegensatz zu ihnen glaube ich nicht an Gott, aber bitte, jedem das Seine), sondern weil sich die MENSCHEN von diesen inhumanem Gräueltaten mit Intellekt und Humanismus gelöst haben.

Wenn die Moslems Intellekt hauptsächlich daran messen, wer mehr Suren im Koran auswendig kann, dann werden falsche Maßstäbe angesetzt, das Zusammenleben in der heutigen Zeit funktioniert komplett anders als noch vor ein paar Jahrtausenden, vielleicht nicht in irgendeinem Wüstenzelt, aber sicher hier in Europa. Diese Entwicklung haben die Moslems nicht durchgemacht, für sie ist eine freie Welt nach unserem Verständnis unvorstellbar, sie schaffen es intellektuell einfach nicht, sich in diese Kultur hineinzuversetzen. Man muss sich nur die Entwicklung der Deutschtürken ansehen, besonders jener, die bereits in Deutschland geboren wurden und welchen Schwachsinn die von sich geben, dann ist keine Hoffnung mehr, dass das mit der Integration in unsere Kultur auch nur irgendwie funktionieren kann, geschweige mit den noch viel unterbelichteteren neuen Sozialeinwanderern. Das Gap ist viel zu groß, es gibt da einen Grundsatz im Beraterwesen: "Man kann nur jemanden Know How beibringen, der bereits Know How hat."
Deshalb wird das nichts, am Ende wird sich das stärkere Individuum durchsetzen, und das wird nicht der weichgespült gegenderte deutsche Mann sein. Aber vielleicht schaffen es die Islamisten in vier- bis fünfhundert Jahren ja auch, endlich etwas humanistischen Verstand in ihr Hirn zu prügeln, und dann......

Liebe Grüße und schönes Wochenende

Heinz hat gesagt…

..... lassen sie mich noch anfügen:

Aus evolutionsbiologischer Sicht handeln die Islamisten allerdings richtig, survival of the fittest, das sind sie, und nicht die deutschen Waschlappen.
Wenn ein Mann im Zelt hockend zuschaut, während seine Freundin einen Meter entfernt vergewaltigt wird und sich nicht dagegen wehrt, dann wird er in der Evolution verlieren. Wenn ein Muslim darauf besteht, dass seine Schwester geheiratet wird, wenn sie Geschlechtsverkehr mit dem Risiko schwanger zu werden hatte, dann hat er evolutionsbiologisch recht (warum die Schwester jedoch umbringen entzieht sich mir selbst aus diesem Gesichtspunkt), wenn ein Muslim die Familie schützt und in den Mittelpunkt stellt dann hat er evolutionsbiologisch gesehen recht, wenn er gegen Homosexualität in allen Ausprägungen ist, dann hat er evolutionsbiologisch gesehen recht.

Unsere Gesellschaft basiert allerdings nicht mehr auf reiner Biologie, wie das bei Tieren der Fall ist.


Le Penseur hat gesagt…

Cher "Heinz",

Noch bis vor wenigen Jahrzehnten war es im Christentum auch nicht gleichgültig, ob sie an Gott geglaubt haben oder nicht, da sind sie ziemlich schnell in die Inquisition geraten und vorbei war es mit ihnen.

Da ich inzwischen gar nicht so wenige Jahrzehnte auf Gottes Erdboden weile, ist mir die Tatsache, daß ich demnach zu irgendeiner Zeit meines Lebens "in die Inquisition geraten" wäre, doch überraschend unbekannt geblieben!

Entweder meinten Sie "bis vor wenigen Jahrhunderten" (wobei ich gefühlt doch ca. drei Jahrhunderte ansetzen würde), oder Sie lebten in einem Paralleluniversum.

Heinz hat gesagt…

Lieber Le Penseur,

Sie haben natürlich recht, das soll "Jahrhunderte" heißen, vielen Dank für die Korrektur.
Viele und wenige ist eine sehr subjektive Frage, 3 Haare auf dem Kopf sind wenige, 3 Haare in der Suppe hingegen viele :-).
3 bis 5 Erdenjahrhunderte sind ist für mich auch wenige.

lg

Le Penseur hat gesagt…

Cher Heinz,

Viele und wenige ist eine sehr subjektive Frage [...] 3 bis 5 Erdenjahrhunderte sind ist für mich auch wenige.

... meinen Sie. Nun ja. Im Verhältnis zum Alter des Universums gebe ich Ihnen recht. In Menschendimensionen gedacht, sind 300 Jahre schon fast unvorstellbar lang!

In einer Zeit, als bei uns Pferdekutschen das avancierteste Verkehrsmittel waren, als Menschen bei heute banalen Erkrankungen wie die Fliegen starben und die Säuglingssterblichkeit enorm war, als die meisten Menschen Analphabeten waren etc. etc. gabe es im christentum zwar noch verschiedene Vorurteile und Verbalduelle zwischen den Konfessionen, aber keine Religionspolizei, die einen wegen abweichender Überzeugung umbrachte.

Heute gibt es in den Muselmanenstaaten modernste Hi-Tech und vielfach großen Wohlstand — und dennoch eine mental zurückgebliebene Gesellschaft, die, in idiotischen Riten und Tabus erstarrt, einfach Steinzeit im 21. Jahrhundert spielt!

Diese Zeit hat das Christentum überwunden, nicht weil die Bibel dem Koran so meilenweit überlegen ist (auch die Bibel ist nur ein Märchenbuch, so wie der Koran oder die Werke der Gebrüder Grimm, im Gegensatz zu ihnen glaube ich nicht an Gott, aber bitte, jedem das Seine), sondern weil sich die MENSCHEN von diesen inhumanem Gräueltaten mit Intellekt und Humanismus gelöst haben.

Nun, auch hier ist Ihre Sichtweise etwas verzerrt. Sicher: die Bibel (für Christen wohl exakter: das Neue Testament — denn das Alte Testament kennt ja in allerweitesten Teilen kein Schwein!) ist ein Märchenbuch, nur ein unvergleichlich weniger grausames, als der Koran!

Deshalb muß man das Neue Testament kräftig gegen den Strich bürsten, um daraus Zwangsmaßnahmen gegen Andersdenkende abzuleiten. Beim Koran ist's exakt umgekehrt: da muß man kräftigst weichspülen und weglassen, um aus einer kriegerischen Expansionslehre wenigstens ein paar friedliche Seiten zu destillieren!

Und der entscheidendste Unterschied: für normale Christen ist "die Bibel" nicht das wortwörtlich als unmittelbare Handlungsanweisung fürs tägliche Leben zu nehmende, unveränderlich gleich zu lesende autoritative Wort Gottes "ohne wenn und aber" (das wäre sie höchstens für ein paar fundamentalistisch-bliblizistische Sekten, die sicher nicht mehr als ein paar Prozent der Christenheit ausmachen), sondern eine durch das sich auf Tradition (orthodoxe Sicht) und auf Vernunftgründe stützende (katholische Sicht) kirchliche Lehramt, bzw. in der "Freiheit des Christenmenschen" (evangelische Sicht) individuell zu interpretierende Glaubensquelle. Im Islam sieht es da ebenfalls exakt entgegengesetzt aus!

Anonym hat gesagt…

Möchte bei der Gelegenheit auf den Autorenkreis des Inârah hinweisen. Bisher sitzen wir in der Geschichte des Islam Märchen aus 1000 und einer Nacht auf. Dabei haben wir es eher mit einer syroaramäisch / arabischen Abspaltung vom Christentums zu tun - Lesen!