„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Mittwoch, 21. Juni 2017

Rassismus

Keine Frage, die Waffen sitzen locker bei den Polizisten in den USA. Allerdings sollte man, bevor man in empörungsbesoffene Kreischorgien verfällt, sich auch mal überlegen, dass jedes Jahr hunderte Polizisten in den USA durch Angriffe schwer verletzt werden und im Schnitt etwa 40 Beamte im Dienst ihr Leben lassen. Man sollte sich fragen, ob es zur Stellenbeschreibung eines Beamten gehört, im Zweifelsfall abzuwarten, ob man jetzt wirklich erschossen wird, oder ob man ihnen zugesteht, in einer Bedrohungssituation proaktiv tätig zu werden. All jene, die sich jetzt laut gackernd über jeden einzelnen Fall eines vorschnell die Waffe ziehenden Cops erregen, sind in ihrem ganzen Leben noch niemals in der Situation gewesen, in den Lauf einer Waffe zu blicken oder von einem Menschen mit Messer bedroht zu werden. Polizisten in nordamerikanischen Städten erleben so etwas permanent. Das ist keine Entschuldigung, sondern einfach eine Tatsache.

Übrigens gab es gerade auch bei uns einen Fall mit einem messerschwingenden Türken, der allerdings nicht gleich zu randalierenden, plündernden und brandschatzenden Mobs geführt hat. Schon gar nicht zu Massenprotesten und wutkreischendem Empörungstheater führt es, wenn eine Polizistin erschossen wird, wie neulich in München. Was hat die Frau offenbar falsch gemacht? Sie hat den Angreifer leben gelassen. Sie hat viel zu spät geschossen und ihm getreu Künastscher Empfehlung in den Oberschenkel geschossen, damit er überwältigt werden kann. Hätte sie ihm die Birne weggeblasen, würden linke und grüne Fachleute aus dem weichen Sessel heraus über Polizeigewalt und Waffennarren schwadronieren und lebenslange Haft fordern, aber die Beamtin würde noch leben. Genau das ist der Unterschied.
Und genau das ist die Situation, auf die US-Polizisten immer wieder treffen. Es hat schon genug getötete Beamte gegeben hat. Es gibt bestimmte Situationen, in denen die Gefahr für die Beamten so groß ist, dass sie extrem nervös reagieren.

Doch zurück zu dem aktuellen Fall aus Seattle, über den in verschiedenen Medien wie hier im „Spiegel“ berichtet wird. Nur kurz zur Situation: eine Streife wird zu einer Wohnung gerufen, weil dort angeblich Einbrecher drin umgehen. Angekommen, begegnen sie beim Betreten der Wohnung einer Frau mit einem Messer in der Hand, die offensichtlich die Anordnungen der Beamten ignoriert und nach mehrmaliger Aufforderung, zurückzugehen, scheinbar auf die Polizisten losgeht. Wie bedrohlich genau die Situation war, wird sich auch von den bemühtesten Sesselfurzern kaum rekonstruieren lassen, auf jeden Fall haben die Polizisten nach dem offensichtlich falschen Reagieren der Frau geschossen.
Was machen die Medien und der „Spiegel“ daraus?

„Polizisten erschossen bewaffnete Frau“?
„Tödlicher Irrtum: Polizisten erschossen vermeintliche Einbrecherin“?
Nein, denn das wären ja einfach nur Darstellungen der Situation, und wen interessiert die schon? Wir brauchen Empörung, wir brauchen Propaganda, wir brauchen Stimmung. Und deshalb wird landauf, landab getrommelt:

Polizisten erschießen schwangere Afroamerikanerin“

Ach. War da nicht mal was, dass die Zugehörigkeit zu einer Minderheit oder Ethnie nicht erwähnt werden soll, wenn es nichts zur Sache tut? Und es tut nicht, denn die Polizisten haben die Frau weder erschossen, weil sie schwanger war, noch, weil sie eine Schwarze war. Sie haben sie erschossen, weil sie mit einem Messer auf sie zukam. Aber das Messer wird in der Schlagzeile nicht erwähnt, obwohl es doch eigentlich für das Verständnis der Situation weit wichtiger ist als die Hautfarbe des Opfers. Diese spielt eigentlich sogar gar keine Rolle bei dem Ganzen, außer, man möchte keinen tragischen Polizeieinsatz beschreiben sondern ein propagandistisches Schreckensbild rassistisch motiviert mordender uniformierter Horden zu malen, die einfach Leute abknallen, weil sie die falsche Hautfarbe haben.
Bei Tätern darf Hautfarbe, Herkunft oder Ähnliches auf keinen Fall genannt werden, um gegnerische Propaganda zu vermeiden, aber wenn man es für die eigene Propaganda instrumentalisieren kann, dann wird plötzlich bei Opfern explizit darauf hingewiesen, ja das Opfer sogar auf die Zugehörigkeit zu einer Opferminderheit reduziert. Man will ja Stimmung schüren, und das funktioniert ja auch, wie man an den tobenden Mobs sehen kann, die unweigerlich solchen Vorfällen folgen.

Und weil es nicht um Tatsachen geht sondern um Stimmungsmache (warum sonst sollte auch ein Polizeieinsatz in den USA durch den deutschsprachigen Blätterwald rascheln) geht es auch im gleichen Tonfall weiter:

In Seattle haben zwei Polizisten eine schwangere 30-jährige erschossen. Die Frau war im dritten Monat schwanger.“

Nach der Schlagzeile noch einmal der gleich doppelte Hinweis, dass die Frau schwanger war. Übrigens im dritten Monat. Erstens hätten die Beamten das erst erkannt, wenn sie die Frau mit dem Messer, von der sie sich bedroht gefühlt haben, auf einen Teststreifen hätten pinkeln lassen und zwei Minuten geduldig gewartet hätten, ob er blau wird. Und zweitens ändert das gar nichts an der Bedrohungssituation. Soll der Polizist jetzt denken: „Och, wenn die mit diesem Dolch auf mich los geht, knalle ich die lieber vorher ab, aber warte, die ist ja schwanger, also ehrlich, da muss ich mal abwarten, immerhin ist es ja nicht so schlimm von einer Schwangeren erdolcht zu werden...“?

Während des Vorfalles befanden sich außerdem drei Kinder in der Wohnung.“

Das finde ich interessant. Es steht nichts davon da, dass es ihre Kinder waren. Haben die Polizisten die Kinder gesehen? Haben sie den Verdacht gehabt, es bei der Frau mit der Einbrecherin zu tun zu haben. Die sich bewaffnet mit einem Messer verängstigten Kindern zuwendet? In diesem Fall würde ich jeden einzelnen Schuss absolut verstehen.

Angehörige der Frau gaben an, L. habe unter psychischen Problemen gelitten.“

Und? Was sagt uns das jetzt? Hätten die Beamten, während der angepieselte Teststreifen vom Schwangerschaftstest antrocknet, noch die Anamnese der Frau aufnehmen und vielleicht ihren Psychologen zu einer Stellungsnahme anrufen sollen? Oder ist das nicht vielmehr ein Hinweis darauf, dass da jemand „Suicide by cop“ verübt hat? Das ist in den USA durchaus eine übliche Art des Selbstmordes: Man ruft die Cops oder benimmt sich so, dass andere die rufen, und zieht dann eine Waffe oder fuchtelt mit einem Messer vor der Nase der Polizisten herum. Oft sind die Waffen sogar nur Attrappen, aber die Beamten haben keine Zeit für die Kontrolle von Echtheitszertifikaten, ebensowenig wie für Krankengeschichten oder Gesundheitszustände.

"Warum haben sie sie nicht mit einem Taser angegriffen?"

Aus der Verzweiflung einer Angehörigen geborene Frage einer Ahnungslosen. Wenn Beamte in eine Wohnung eindringen, in der sich angeblich Einbrecher befinden, dann gehen sie da mit gezückter Waffe rein. Weil sie damit rechnen müssen, von Bewaffneten angegriffen zu werden. Einbrecher benutzen nämlich auch keine Taser. Weil deren Wirkung unsicher ist. Der eine bekommt einen Herzkasper, weshalb ja unsere Grünen sogar gegen diese Bewaffnung sind, der andere schüttelt sich kurz und drückt dann seinerseits ab. Also gehen die mit gezückter Dienstwaffe rein Und können jetzt nicht, wenn jemand mit dem Messer auf sie losgeht, erst die Waffe einstecken und dann den Taser rausfummeln. Da benutzen sie genau jene Waffe, die als erste und effektivste eingesetzt werden kann. Einfache Logik.

Nein, ich will nichts schönreden. Es bleibt zu untersuchen, welche Bedrohungssituation die Polizisten vorgefunden haben und ob diese den Einsatz der Waffe rechtfertigte. Aber das hat erstens ein Gericht zu klären (und tut das ja auch) ...

Die beiden Polizisten wurden vorübergehend suspendiert, gegen sie wurden Ermittlungen eingeleitet.“

...und zweitens muss dabei die extreme Anspannung der permanent unter Lebensgefahr agierenden Polizeibeamten berücksichtigt werden.
Aufgepeitschte, nach Rache brüllende Rassisten, die das Geschehen auf einen Hautfarbenkonflikt reduzieren wollen, obwohl die Hautfarbe genau in dieser Situation genau gar nichts mit dem Geschehen zu tun hat, sind sicher nicht hilfreich dabei. Warum man denen („Black lives matter“ ruft nachweislich zu Gewalt und Hass auf und hat Anhänger, die schon Hetzjagden auf weiße Polizisten veranstaltet haben – man sollte sich überlegen, mit wem man sich ins Bett legt) jetzt eine Propagandabühne mit dummen Sprüchen Marke „Polizeigewalt gegen Afroamerikaner“ in europäischen Medien bietet, vor Allem jenen, die sich immer als die neutralen und intellektuell anspruchsvollen Qualitätsjournalisten betrachten, bleibt eine offene Frage.

Wäre die schwarze Frau ein weißer Mann gewesen hätten die Beamten sehr wahrscheinlich in der gleichen Situation gleich gehandelt. Die Situation auszublenden und das Geschehen auf die Ethnie zu reduzieren und daraus einen Konflikt zu kochen, ist Rassismus.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke für die konzentrierte Info, ich vertrag den Unrat nicht mehr. Wieviel deutsche Beamte müssen noch auftragsgemäß sterben, ehe ein Licht aufgeht?

sokrates9 hat gesagt…

Erwähnenswert ist auch noch dass es dann wahrscheinlich Proteste der Bevölkerung gibt, die regelmäßig in Plünderungen von Geschäften ändert! Scheint aber was rasistisches zu sein, denn in 90% sind es schwarze die da Plündern! Habe noch nie gelesen dass Chinesen nach einer Demo zu plündern beginnen!