„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Mittwoch, 7. Juni 2017

Zweifler und Ketzer

Einmal noch (aller guten Dinge sind drei…) widme ich mich dem „Standard“ und seiner (selbstgefühlt) neutralen, rein wissenschaftlichen und erklärenden Beschreibung der „Wahrheit“. Denn ein Artikel hat mich noch fasziniert, in dem ein Medium, dessen politische Schlagseite ebenso offensichtlich ist wie die von „Kurier“ oder „Neues Deutschland“ aber auch „PI“ oder „Jouwatch“ (ganz neutral ist eh keiner…) sich dem wundervollen Thema widmet, wer jetzt eigentlich wem mehr misstraut, und das mit vorhersehbarem Ergebnis.

Vertrauen in Medien: Rechte rechnen mit linken Lügen“

Gut. Haben wir das geklärt.
Ich nehme jetzt einfach mal dieses dämliche „Links-Rechts-Schema“ her, auch wenn ich es unpassend finde, denn unter dem Strich kommt etwas ganz anderes raus. Hier wird nämlich, soviel sei verraten, von einer sich selbst als links stehend gesehenen Redaktion nichts anderes gemacht als:
1. sich selbst als „die Medien“ (weiter unten auch „die Qualitätsmedien“) zu sehen, was einem Status gleichkommt, den man automatisch verliert, wenn man nicht die gleichen Agenturmeldungen per copy and paste übernimmt und nicht die gleiche politische Meinung vertritt, und
2. jeden, der das anders sieht, zum „Rechten“ erklärt.

Ein „Linker“ befindet sich in der gleichen ideologischen Filterbubble und würde jedes Medium, welches etwas Anderes veröffentlicht, nicht mal mit der Kneifzange angreifen, weshalb sich logisch ergibt, dass jeder, der sich alternativer Medien bedient, automatisch ein „Rechter“ ist. Es ist ein dermaßen simpel gestricktes Weltbild (muss es auch sein, damit auch der letzte hirnlose Antifa-Idiot es nach dem dritten Bier im sozialistischen Jugendclub „Che Guevara“ noch begreift), dass es aus der Feder respektive Tastatur eines Menschen, der sich selbst durchaus als Qualitätsjournalisten empfindet, nur noch als traurig empfunden werden kann.

Es wird bereits in der Überschrift klargemacht, um welche kleine Kerze sich das ganze ausgebreitete Weltbild dreht: Wer jeden Satz, den die Satzdrechsler aus den staatlich üppig alimentierten Redaktionsbunkern dem Medienkonsumenten vorlegen, bedingungslos glaubt, ist ein kritischer, intellektueller und hinterfragender linker Zeitgeist,; wer jedoch ungläubig alternative Informationen einholt, ist ein primitiver, dumpfer rechter Trottel, der Verschwörungstheoretikern und Lügnern nachhechelt.
Finde den Fehler.

Das Vertrauen in die Medien sinkt – bei manchen stärker als bei anderen. Wer sich politisch rechts einschätzt, geht eher von verzerrender Berichterstattung aus.“

Weiter unten wird das dann untermauert damit, dass FPÖ-Wähler von verzerrender Berichterstattung (in welchem Medium?) ausgehen.
Und das offensichtlich ganz zu recht. Denn diese FPÖ-Wähler schätzen sich nicht politisch rechts ein sondern werden von genau jenen Medien, die jetzt mit solchen Sprüchen daherkommen, einfach zu Rechten deklariert. Und dann wollen sich genau jene Medienschaffenden, die es nicht einmal fertigbringen eine Überschrift ohne Seitenhieb auf „die Rechten“ zu fabrizieren, darüber alterieren, deren Vertrauen nicht zu besitzen?
Ist der gut!

Erst schreiben sie jahrelang über das miese Wesen der dumpfbackigen hasszerfressenen und hetzenden Rechten, dann nehmen sie eine Tabelle und schieben einfach jeden, der es wagt eine andere Medienquelle neben ihnen zu haben oder nicht jedes ihrer Worte kritiklos zu fressen, in die Spalte „Rechts!“ zu den Schmuddelkindern und wollen dann maulen, dass sie von denen nicht mehr mit ausreichender Unterwürfigkeit respektiert werden.

Medien lügen. Sie verdrehen die Wahrheit, berichten nicht über Unangenehmes, sie sind parteiisch.“

Ja. Genau. Der vorliegende Artikel beweist das auch in vollem Umfang. Denn er alteriert sich zwar darüber, dass „Rechte“ „den Medien“ „misstrauen“, ignorieren dabei aber vollkommen, dass erstens die „Rechten“ nur jenen „linken“ Medien misstrauen, die sich im Dreckwerfen nach Rechts überbieten, also nicht „den Medien“, und dass zweitens die „Linken“ genausowenig den Berichten von Breitbart, PI oder Jouwatch „vertrauen“.
Aber das sind, nach dem recht überheblichen Selbstbild der „Qualitätszeitung“ ja keine „richtigen“ Medien.

Solche Parolen hört man am Stammtisch und bei Familienfeiern, man liest sie in sozialen Medien und so manchem Leserbrief oder Posting. Am äußeren Rand des Spektrums der pauschalen Medienkritik samt angenommener Verschwörung bewegen sich jene, die auf Demonstrationen "Lügenpresse!" rufen, gerne mit einem "Halt die Fresse" davor.“

Ja, die einfache Plebs, für die übrigens die Linken einmal standen und deren Sprache sie einst sprachen, bevor sie sich in die Salons der Schickeria zu Kaviarbrötchen und Schampus zurückgezogen haben, drückt es kernig aus.
Na und? Ihr sprecht dafür aus der gut beheizten Schreibstube heraus jenen Medien, die mehr als Agenturmeldungen und offizielle Verlautbarungen abkopieren, hochnäsig das Recht ab, überhaupt Medien zu sein. Ihr sitzt am Megaphon, mit Watte in den Ohren, und beschwert euch, dass die da unten so laut schreien. Und winkt dann hochnäsig ab, dass die Schreihälse eh bloß primitive Nazis sind. Ihr seid so putzig!

Aber auch in der Gesamtbevölkerung sinkt das Vertrauen in Medien seit Jahren. Die weitverbreitete Annahme: Journalisten arbeiten nicht unbeeinflusst, sondern versuchen selbst, ihre Leser zu beeinflussen, um ein politisches Ziel zu erreichen oder aus wirtschaftlichem Druck. Der wissenschaftliche Begriff dafür, für den es im Deutschen keine wirkliche Entsprechung gibt: Bias.“

Nein, es ist keine Annahme und es hat nichts mit Druck zu tun sondern mit einer grenzenlos abgehobenen Sicht auf die Welt. Ich habe vor etwa vier Jahren eine Veranstaltung mit einer Redakteurin einer großen österreichischen Tageszeitung besucht und schon damals nutzte ich die knappe Gelegenheit, vor einem ganzen Saal voller Interessierter, ihr die Frage zu stellen, warum Artikel in ihrem Blatt nicht neutral wären sondern immer die Meinung des Autors klar herauszulesen, immerhin würde doch gerade die Neutralität der Berichterstattung professionellen Journalismus von der Kommentarspalte trennen.

Die Antwort ebenso wie die Reaktion der Anwesenden, glichen einer Offenbarung.
Sie behauptete stocksteif, dass die Leser doch genau das erwarten würden, dass man den Menschen hinter den Worten spüren müsse und damit Wärme und Nähe in das Blatt bringe, und die Menschen müssten ihre Meinung und ihr Denken in dem Artikel wiederfänden blabla Sozioblubb. Ja, die ticken so. Die glauben felsenfest, dass es ihre Aufgabe und Verantwortung ist, den Menschen nicht nur die Begebnisse zu schildern, sondern ihnen auch klarzumachen, wie sie darüber denken müssten. Sie tun das aus Überzeugung, den Menschen etwas Gutes zu tun und merken nicht, dass ihnen genau deshalb die Leser weglaufen, weil die Informationen haben wollen und keine menschliche Nähe. Die kann man sich daheim oder mit den Kumpels in der Kneipe holen.
Denkt man. Als rationaler Mensch.
Doch was passierte?
Alles nickte brav, grinste, einige sahen mich scheel an, weil die Frage an sich ja schon viel zu kritisch rüberkam und dann war es gut. Kein Nachhaken, wer ihnen das Mandat gegeben hätte zu entscheiden, welche Meinung man uns zu servieren habe und uns vorzuschreiben, wie sie dazu kämen, aus der Einstellung zu ihrem Geschreibsel abzuleiten, ob jemand zu den rechten Schmuddelkindern zu sperren wäre.
Nichts.
Und das nahm die natürlich als Bestätigung auf, dass sie es eh alles richtig macht. Und macht weiter so.
Ich habe die Zeitung dann endgültig abbestellt, war mein letztes Abo.
Man muss ja kein Geld dafür ausgeben.

Doch zurück zum Artikel:
Was dann folgt ist das Übliche: „Rechte“ stehen „den Medien“ eher skeptisch gegenüber, besonders FPÖ oder Pegida. Man wirft wahllos alle Lieblingsfeindbilder in einen Topf, ohne zu reflektieren, was der eigene Anteil an dem Misstrauen sein könnte: Wenn ich jemanden permanent beschimpfe und Meldungen bewusst so umformuliere (egal ob die „Randale am Rande der Pegida-Demo“, bei der man erst im dritten Absatz kurz erwähnt, dass das Linksradikale waren oder der „Schießbefehl“ der AfD, der weder einer war noch etwas anderes als das Zitat geltenden Deutschen Rechtes oder die bissige FPÖ-Hetze bei jeder sich bietenden Gelegenheit) oder Begriffe bewusst verhetzend verwende, Bilder bewusst manipuliere, Worte verdrehe und einen Sinn hineininterpretiere, der niemals dahinter stand, dann muss ich mich aber wirklich nicht wundern, wenn das Ziel meiner Angriffe kein Vetrauen zu mir hat.

Na, welcher Linke liest bei „unzensuriert.at“ oder „Achgut“ und hinterfragt dort sein Weltbild? Und wieso hinterfragt man an keiner Stelle die ebenso große Vorsicht der Ultralinken mit ihrer „indymedia“-Plattform gegenüber der Presse? Weil es auch in diesem Artikel wieder nur um einseitige Propaganda geht.
Der „Standard“ hat es versucht, das muss man ihm lassen. Aber er hat es erwartungsgemäß vergeigt. Ein Parteimedium, das parteiisch über neutrale Wahrheit nachzudenken versucht, muss scheitern.

Deshalb spare ich mir den Rest bis auf eine Aussage, die die ganze Abgehobenheit und geradezu narzisstische Selbstüberhöhung einer ganzen Kaste beschreibt:

Je stärker das Misstrauen in die etablierten Medien werde, umso eher beginnt man auch, an weiteren wichtigen Grundpfeilern der Demokratie zu zweifeln.“

Nein.
Falsch.
Größenwahn.
Die „etablierten Medien“ sind keine Grundpfeiler der Demokratie.
Ein Grundpfeiler der Demokratie ist das Recht auf unzensurierte, freie Meinungsäußerung. Ein anderer das Recht auf Zugang zu Informationen. Allen Informationen. Ungeschminkt, unverzerrt, unzerkleinert.

Ob Medien „etabliert“ sind oder „neu“, auf Papier, über Äther oder eben im Internet erscheinen ist absolut irrelevant; jedes Medium hat in einem funktionierenden Rechtsstaat (und eine funktionierende Demokratie ist ein solcher) seine Existenzberechtigung und auch sein Recht, nicht von „etablierten“ herabgesetzt oder immer wieder der Lüge bezichtigt zu werden.

Zu glauben, ernsthaft zu glauben, ja felsenfest überzeugt zu sein, ein Grundpfeiler der Demokratie zu sein, ist genau jener Hochmut, der vor dem Fall kommt, in dem ihr euch heute bereits befindet. Ihr habt euch vom Volk so weit entfernt, wie es ein Herold der Fürsten mit seinen Fanfaren nur kann und wollt denen da unten dann erklären, ihr wärt ein „Grundpfeiler der Demokratie“? Von wem habt ihr das Mandat, ein Grundpfeiler der Volksherrschaft zu sein, wenn das Volk euch immer weniger glaubt, liest, kauft?

Ihr seid ein Dienstleister, einer der schon länger am Markt ist (aber schon länger irgendwo zu sein begründet ja kein Recht, wie ihr uns seit Monaten erklärbärt) und der sich zum Schaden seiner Kunden mit deren Herrschern arrangiert hat, und immer mehr Kunden kommen euch auf die Schliche, und jetzt hetzt ihr natürlich wie die Wilden gegen jeden, der euch zur Gefahr werden kann, kommt mit der „Demokratiefeind!“- und „Rechter!“-Keule, die aber nicht mehr ziehen.

Und ihr schafft es nicht einmal mehr, neutral über ein Thema zu berichten, nur mal so ohne jede Politik, ohne jedes Von-Links-nach-Rechts-Pecken und jedes rotzige Einsortieren der Kritiker in Schubladen mit möglichst muffigem Inhalt.

Ihr könnt keine Predigt mehr halten, ohne inquisitorisch über Zweifler und Ketzer zu urteilen.

Ihr beschwert euch über das schwindende Vertrauen eurer ebenso schwindenden Kundschaft, und anstatt das einzig Vernünftige zu tun, das ein Dienstleister tun kann, nämlich darum zu kämpfen dieses Vertrauen zurückzugewinnen, indem man neutral und ungeschminkt über die Wahrheit informiert, über das, was die Leute wissen wollen, anstatt es Whatsappern und Facebookern zu überlassen, das zu tun, fällt euch nichts Besseres ein, als die Abgefallenen zu verteufeln. Wenn ihr nicht mehr Lügenpresse genannt werden wollt, dann hört auf, eure Kritiker zu beleidigen, bis sie vor Verzweiflung noch lauter schreien, sondern hört einfach auf zu lügen!

Kopiert nicht mehr unreflektiert jeden Mist irgendeiner Pressestelle oder Agentur, recherchiert, fragt, berichtet über das Geschehene so neutral und voller Informationsgehalt wie nur möglich - und nicht immer mit dem selbstgefühlten Anspruch im Hinterkopf, die Leser zu schonen, zu beschwichtigen, zu lenken.
Oder seid ihr dazu nicht mehr in der Lage?
Seid ihr das lebende Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt?
Nein?
Dann beweist es!

Kommentare:

Heinz hat gesagt…

Danke, lieber Fragolin, für die Mühe, diese Standard-Artikel zu lesen und darüber zu berichten.
Ich lese den Standard schon seit Jahrzehnten nicht mehr, ich schaffe es einfach nicht, weil ich mich bei jedem Absatz über die Zeitverschwendung ärgere. Auch hier wieder, jeder Absatz zum Schreien, die einzige Frage, die mir geblieben ist: "Hat dieser Eberl nun seine Dissertation mit diesem Mist positiv abgeschlossen und darf er sich jetzt "Doktor" und "Experte" nennen?"

lg

fischer hat gesagt…

Ich lese fallweise die Wissenschaft-News online im Standard. die gefärbte politische Berichterstattung samt auserlesenen Kommentaren erspare ich mir zwecks Vermeidung eines Magengeschwürs schon seit Jahren.

Noch eine Überlegung: Warum beschäftigt sich der Standard plötzlich mit der Wahrheits-Betrommelung? Was steckt dahinter? Dient als Orientierungshilfe für die, die noch nicht geschnallt haben, daß alles, was nicht Links ist, schlicht und ergreifend und simpel gedacht Rechts ist ? Damit auch der Bildungsreduzierte Bescheid weiß?

Also liefert der Standard damit eine Kategorisierungs-Unterstützung für Nichtselberdenker. Wozu diese erleichterte Unterscheidungshilfe eigentlich unters Leservolk gebracht werden mußte, und über die möglichen Folgen - nein, darüber besser nicht nachdenken. So schlimm wird´s schon nicht kommen.

fredl hat gesagt…

warum sollte dieses verlogene drecksblatt damit aufhören zu lügen oder gar damit anfangen neutral zu berichten?
das schundblatt wird von rotgrün fürstlich gesponsert und bräuchte keine einzige zeitung zu verkaufen. nur aus diesem grund kann das linke gesindel den hass absondern, ohne die konsequenzen tragen zu müssen.

fischer hat gesagt…

Der Standard gehört zum Project Syndicate (von Soros gegründete und auch u.a. von Bill Gates, Mohammed Bin Rashid Al Matoum Global Initiatives, European Climate Foundation unterstützte Medienkooperation, weltweit dzt rund 5oo häufig Tageszeitungen, die quasi simultan in 12 Sprachen die passenden Nachrichten in gewünschter Form über den Globus verbreiten.
http://www.katholisches.info/2016/04/fakten-zum-project-syndicate-von-george-soros/