„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Montag, 17. April 2017

Was zu erwarten war ...

von LePenseur

... ist, daß das Verfassungs-Referendum im Sinne des Erdowahnsinnigen ausgehen wird. Was nicht zu erwarten war: daß der "Sieg" so knapp ausfallen würde.

Zieht man die Ausgangslage in Betracht, so ist dieses Ergebnis eigentlich eine schallende Ohrfeige für den selbsternannten "Sultan": seit dem angeblichen "Putsch" im letzten Jahr haben er und seine AKP-Funktionäre ein zunehmend diktatorisches Regime aufgebaut, alle Kritiker wurden durch Entlassungen und Verhaftungen mundtot gemacht, die Medien gleichgeschaltet, die letzten Stützpfeiler des Kemalismus in Armee und Justiz abgebrochen, bei der Abstimmung selbst offenbar mit allen Tricks manipuliert, denn die ohnehin schon vor der Abstimmung nahezu machtlose Opposition spricht offen von Manipulation, und verlangt die Neuauszählung oder gar Annullierung des Referendums.

Man kann also davon ausgehen, daß in Wahrheit das Regime des Erdowahnsinnigen die Abstimmung verloren hat, und nur durch Manipulationen, Fälschungen und Einschüchterung einen knappen "Sieg" errang. Das sind jedenfalls wenig beruhigende Auspizien für die künftige Stabilität des Landes. Denn anders als bei einer "normalen" Wahl, bei der ein knapper Ausgang zwar weder für den Gewinner, noch für den Verlierer wirklich angenehm ist, war dieses Referendum ja eine fundamentale Richtungsentscheidung. Und bei einer solchen mit 51,4% "durchregieren" zu wollen, ist mehr als problematisch, und höchstens geeignet, die Spaltung der Türkei zu verstärken.

Vorderhand wird sich freilich wenig ändern: der Erdowahnsinnige wird seine Agenda durchziehen (wie er es ja bis jetzt auch schon tat), die zersplitterte Opposition wird dem wenig entgegenhalten können. Die faktische Selbstzerstörung der Türkei, die mit einem muselmanischen Regime automatisch einhergeht (und die im Falle der Türkei ja anders als in den Staaten der arabischen Halbinsel nicht durch den Segen reicher Ölvorkommen abgefedert werden kann!), wird entweder zu einer Änderung der türkischen Politlandschaft führen, wenn die Türken weiterhin eine internationale Rolle spielen wollen, oder andernfalls zum Versinken in politischer und wirtschaftlicher Bedeutungslosigkeit führen.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Bei uns hat auch der grüne Erdogan die erste Stichwahl mit 52:48 in der Wahlurne verloren und diese dann (wie von Geisterhand) mit Hilfe der Briefwahl (65:35) mit 50,35% gewonnen.
Beim 2. Mal hat man einfach eine Schippe draufgelegt und mit knapp 54% gewonnen. Wäre das Ergebnis umgekehrt ausgefallen, dann hätten sich sofort sämtliche "Statistikexperten" von Ösistan gemeldet und diese "statistische Unmöglichkeit" angeprangert.
Uns verkauft man das als "Demokratie"

Fragolin hat gesagt…

Werter Anonym,
ich mag den verkappten Grünling ja auch nicht besonders, ihn aber mit einem Erdogan in einen Topf zu werfen ist dann doch nicht besonders passend. Der Wauwau will ja im Gegensatz sogar die Befugnisse seines Amtes schmälern bzw. das Amt obsolet machen. Also das ganze Gegenteil dessen, was der Sultan aufführt.
MfG Fragolin

Anonym hat gesagt…

Der Wauwau will ja, genau wie Erdogan, nur jene Parteien in die Regierung lassen, die er für angemessen hält. (also rot+grün+pinkschwul)
Er will das Wahlergebnis genauso ignorieren wie der echte Erdogan.
Insofern hinkt der Vergleich nicht. Warten sie mal die Wahlen bei uns ab, dann werden sie die häßliche Fratze noch sehen. Versprochen!

Was das Schmälern der Befugnisse angeht: Das macht er doch nur weil er Angst hat ein Hofer könnte sein Nachfolger werden und eine linkskorrupte Regierung entlassen.
Nicht mehr und nicht weniger.
Erdogan ist ein Ehrenmann dagegen, immerhin nennt er Merkel und Co. beim Namen.

sokrates9 hat gesagt…

Man soll sich mal das Wahlverhalten unserer Austrotüken ansehen! Da haben 73% für Erdogan gestimmt! Mehr als in allen anderen europäischen Ländern! Ein schönes Indiz welche Schlange wir hier ernähren!

Anonym hat gesagt…

Und was wird sich bei bei inneren Problemen des NATO-Verbündeten anbieten?

Fragolin hat gesagt…

Werter sokrates9,
kleine Korrektur: In Belgien waren es sogar 75%. Aber man kann gut erkennen, welche europäischen Staaten die turknationalistischen radikalmuslimischen Erdogan-Cheerleader besonders bevorzugen: jene, die für Nixtun die größte Belohnung ausschütten.
Wenn man Trump unterstellt, von den abgehängten weißen Männern am unteren Rand der Gesellschaft gewählt worden zu sein, kann man auch rückschließen, das der Oberosmane von den Dummen und Faulen am religionsfanatischen Rand zum Sultan erhoben wurde. Erstaunlich, wie viele das bei uns sind. Man könnte fast sagen, da bestätigen sich pöhse Vorurteile...
MfG Fragolin