„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Donnerstag, 23. März 2017

Zahlenspiele


Was genau ist es, was Menschen dazu bringt, auf lecken Schlauchbooten riskant über das Mittelmeer zu fahren? Der „Focus“ klärt uns auf:

„Die Balkanroute wurde 2016 geschlossen. Viele verzweifelte Flüchtlinge wagen deshalb die Reise übers Mittelmeer, hunderte Menschen ertrinken pro Woche an Europas Außengrenze.“

Nein, es sind keine Glücksritter und keine landnehmenden Söhne (letzte Woche wurden auf einen Schlag 420 Menschen aus Schlauchbooten gezogen und froh vermeldet, dass 47 Frauen dabei waren – den Rest Mathematik überlasse ich jedem, der aufkreischt, wenn jemand rechtshetzend behauptet, gute 90% wären Männer) sondern „verzweifelte Flüchtlinge“, die nur deshalb in Schlauchboote steigen, weil die Balkanroute geschlossen wurde. Schreibt der „Focus“. Dann muss es ja stimmen, oder?

Vergessen, dass die nordafrikanischen Schlepperbootsflotten schon lange vor der vorderasiatischen Lagerentleerung unterwegs waren, dass die illegale Migration aus Afrika in Folge der Sprengung des lybischen Pfropfens eine andere Baustelle als der nahöstliche Lange Treck nach Norden ist, dass die Toten eine Folge der dämlichen Verheißungspolitik einer Frau Merkel und ihrer Lakaien sind, die ein brutales, lebensgefährliches Schlepperunwesen begünstigt, indem ein makabrer Triathlon durch die Wüste, über das Meer und über die Berge ausgerufen wird, an dessen Ende das Schlaraffenland stehen soll und in Wirklichkeit dreckige Sammelunterkünfte voll der gleichen Gestalten auf einen warten, vor denen man eigentlich abhauen wollte.

Die Balkanroute und das Menschensammeln vor der nordafrikanischen Küste haben genau gar nichts miteinander zu tun, außer dass sie zwei Werkzeuge der gleichen Menschenklempner sind, die sich an „Flüchtlingen“, egal woher, dumm und blöd verdienen weil zig Steuermilliarden in ihre Taschen fließen.

Zu behaupten, die Menschen würden auf Schlauchbooten von Nordafrika in die wartenden Arme der staatlichen Schlepperorganisationen Marke „Frontex“ paddeln, weil die Balkanroute für Durchreisende über den Bosporus oder die griechischen Inseln „dicht“ wäre (was nicht einmal stimmt), ist FAKE.
Da ist sie wieder, die intellektuell anspruchsvolle Qualitätspresse, die sich bei Ertönen des Begriffs „Lügenpresse“ winselnd auf dem Boden wälzt, ohne zu begreifen, dass sie nur aufhören müssten so plump zu lügen, um diesem Vorwurf zu entgehen.

Ach ja, kleines Schnäppchen am Rande:
Es wird so gern empörgekreischt, dass „Lügenpresse“ ein Nazibegriff wäre, aber was bitteschön bietet der „Focus“ seinen Lesern per Werbebanner zum Kauf an?
Hier ein kleiner Screenshot:





„Adolf Hitlers „Mein Kampf“ um €9,99“
Wird Lesern mit Zugriff aus Österreich angeboten, wo bereits der Besitz des Buches strafbar ist! Der „Focus“ will mich zum Kauf eines verbotenen Buches animieren, fordert mich also zu einer Straftat auf? Na hoppla!
Keine Angst, ich verpfeife euch nicht. Pfeifen seid ihr nämlich schon!

Doch zurück zu euren kreativen News.

Trotz verschärfter Grenzkontrollen in Europa überqueren einem Medienbericht zufolge noch immer täglich dutzende Migranten illegal die deutsche Grenze.

Wenn ich nur den legal reisenden Autofahrern die Pässe kontrolliere und nebenher Verwaltungsstrafgelder kassiere, wenn einer „nur“ seinen Führerschein dabei hat, halte ich zwar den Verkehr auf, aber nicht die hundert Meter neben der Autobahn über die Wiese latschenden illegalen Einwanderer. Es heißt ja nicht umsonst Einwanderer und nicht Einfahrer.

„Die Bundespolizei habe in den ersten zwei Monaten dieses Jahres 8.758 unerlaubte Einreisen registriert und zur Anzeige gebracht…“

Ah ja, man greife den Medienkonsumenten an seinen mentalen Weichteilen, und das ist, NMS und persönliches Desinteresse sei Dank, bei den Meisten die Mathematik. Oben war eben noch von „dutzenden“ täglich die Rede, jetzt sind es 8758 innerhalb der ersten zwei Monate.
Faktencheck, liebe Wahrheitspresse: Die ersten zwei Monate des Jahres haben zusammen 59 Tage, also sind das etwa 148 illegal Eindringende im Tagesschnitt. Wie definiert ihr eigentlich „dutzende“? Das ist nämlich mehr als ein dutzend Dutzend, und das sind auch nur die wirklich entdeckten – wieviele unbehelligt durch die Wälder streifen ist unbekannt, denn am nächsten Amt wo sie sich melden, können sie jedes noch so dumme Märchen erzählen, es wird geglaubt und gut ist es.
Dutzend, das kennt der Deutsche, das sind zwei kleine Eierpackerl, also sind „dutzende“ ein paar Handvoll. Hört ich ja besser an als „im Schnitt fast 150“, gelle? Ihr macht es ja nicht ungeschickt, ihr lügt nicht direkt sondern formuliert es so, dass Fakten suggeriert werden.

Im gesamten Jahr 2016 registrierte die Bundespolizei dem Bericht zufolge 167.500 illegale Einreisen.“

Eben, Illegale registrierte. Ich verweise einfach mal auf hier, den Rest kann sich jeder denken. Und es ist erst kurze Zeit her, als Merkels Verkünder sicherheitstechnischer Frohbotschaften vollmundig erklärbärte, dass jetzt und hier die Identität ausnahmslos eines jeden in Deutschland sich aufhaltenden Migranten bekannt, geklärt und eindeutig sicher sei.
Man vergisst gerne, dass die Lügen, die die Lügenpresse verbreitet, nicht von der Presse gelogen sondern nur begeistert von den Lippen der presseförderungsverteilenden Politikerkaste abgelesen werden. Man prügelt den Boten und meint doch den Herrn.

Aber die Presse könnte ja mal, wenn sie sich schon so über „mutige Fragen“ gegen Trump freut, egal wie inhaltslos die sind, bei Muttis Wadlbeißer nachfragen, so richtig mit Unschuldsblick, ob dabei die Scheinidentitäten der Asylbetrüger mitgerechnet seien und wie er zu dem Schluss komme, alle zu kennen, wenn doch immer wieder Täter mit offensichtlich Mehrfachidentität aufgegriffen würden – oder wären die bekannt und der Staat deckt das Leistungsbetrugssystem? Na, irgend einer der mehr kann als dpa-Propagandaaussendungen zu copyandpasten und keine Angst davor hat, bei der nächsten BPK nicht mehr ans Buffet eingeladen zu werden?

„Demnach wurden nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei mit insgesamt 3.080 die meisten illegalen Grenzübertritte seit Jahresbeginn an der Grenze zu Österreich registriert.“

Wollen wir mal ein bisschen nachhaken, warum die bösen Ösis den armen Piefkes die ganzen „Illegalen“ auf den Hals hetzen?

Erstens: Als die Flüchtilantenflut losbrach und Frau Merkel durch einen einsamen, demokratisch nicht legitimierten Rechtsbruch die Schleusen öffnete, worüber sie die schon länger hier Lebenden ebenso wie ihre Kollegen über die Medien unterrichtete, hat ein gewisser Herr Faymann, oberster Taxifahrer der Ostalpenlande, sich bei ihrer Alternativlosigkeit sabbernd das Stöckchen geholt, er solle nur alle rein- und durchlassen, die zu Mutti wollen, sie würde schon alle gestrandeten Glücksritter, Kleinkriminellen, Betrüger und Terroristen mit offen Armen empfangen und auf ewig in Piefkestan integrieren und alimentieren. Ein Taxler sollte den Schmäh kennen, wenn ein Fahrgast aussteigt und sagt, er hole nur schnell das Geld. Jedenfalls glaubte er Merkel, was angesichts ihrer Entscheidungshistorie mit „dumm“ noch sehr wohlwollend umschrieben ist. Jetzt bekommt Österreich die als faul aussortierten Früchtchen unter Merkels Gästen nämlich postwendend zurückdelegiert, was diese durchaus dazu bringt, ihre Wunschdestination Deutschland wiederholt anzusteuern. Illegal, aber nicht unmöglich, da es eine grüne Grenze gibt.

Zweitens: Als der überforderte Taxler Richtung UNO gegangen wurde und ausgerechnet der Oberste Fahrdienstleiter des während der ersten Welle der Merkelschen Völkerwanderung den mächtigsten Signalhebel im Staate übernahm, musste Österreich vor der EU einen Kniefall machen und sofort seine Treue und Loyalität zum Thema offene Grenzen beschwören und den Heiligen Eid ablegen, niemals nicht am Brenner auch nur zu kontrollieren. Jeden der aus Italien kommt müssen wir zwangsweise durchlassen, ohne ihn zu belästigen. Und wer kommt so über Lampedusa und Italien nach Norden? Und wo wollen diese Leute hin? Richtig, an das andere Ende der Inntalautobahn, das aber seltsamerweise sehr wohl abgesperrt und kontrolliert werden darf. Klartext: Österreich wird faktisch gezwungen, alle nordafrikanischen Glücksritter einreisen zu lassen, darf sie aber nicht dorthin weiterziehen lassen, wo sie hinwollen. Also ziehen sie illegal weiter. Und Österreich hat kein Interesse, die aufzuhalten, denn dort, wo es die aufhalten will, darf es das nicht.

Drittens: In Österreich regieren rote und schwarze Sozialisten und der Präsident ist ein Grüner. Die Blauen sind weit stärker als die AfD in Deutschland jemals werden wird, aber eben nicht stark genug, denn nur eine absolute Mehrheit könnte der Asylindustrie, die das Ganze befeuert, in die Suppe spucken. Wohlgemerkt: könnte. Denn ob die das dann wirklich tun, bleibt Spekulatius. (Ob die das wirklich wollen ist auch eine Frage, denn der Hofer-Wahlkampf machte auf die letzten Meter den Eindruck des hilflosen Versuches, den unerwarteten Erfolg schnell noch abzuwenden und dabei das Gesicht zu wahren.)
Und so haben wir Leute, die gerade ein wenig wahlkampfdonnernd in den Getösemodus geschaltet haben und sich in populistischen Ansagen gegenseitig überbieten, aber genau gar nichts tun. Ein Gartentürl mit Seitenteilen als „abgeschottete Grenze“, und in dem Seitenzaun, der die Qualität normaler Obstplantageneinhegung besitzt, klaffen Lücken, weil Bauern und Politiker an ihrer Gehöftgrenze den Bau eines Zaunes verboten und gerichtlich beeinsprucht haben. Hier wird gebellt, aber nicht gebissen, und so kann jeder weiterhin ohne Pass, den sie alle zufällig spätestens in Serbien verlieren, aus Slowenien oder über den offenen Brenner aus Italien nach Österreich eindringen. Da niemand mehr nachweisen kann, wo jemand herkommt, geht auch zurückschieben nicht, aber alle wollen zu ihrer angehimmelten Rautenheiligen. Warum soll man sie aufhalten?

Über Flughäfen seien im Januar und Februar 1.658 Menschen ohne Erlaubnis nach Deutschland gekommen.“

Ist das nicht ein Brüller? Die Leute haben Pässe und Visen, Flugtickets und Boardingcards, aber sowie die aus der Transitzone kommen schmeißen die das Zeug einfach weg und erzählen hier Märchen, und bei diesem offensichtlichen, internationaler Gesetzgebung und geltendem Völkerrecht widersprechenden Betrug werden die „registriert“ und dann der Problemfallpflege derer überantwortet, die das als sündteure Dienstleistung anbieten und sich dumm und blöd damit verdienen, anstatt sie sofort festzunehmen, die Personalien abzugleichen und herauszufinden…. Ach, was, das könnt ihr nicht? Und warum nicht? Weil ihr so dämlich seid und die Methoden des Herrn Trump geißelt, dessen Ziel eine schärfere Einreisekontrolle ist, die es ermöglicht, über Fingerprints den Einreiseweg von Immigranten, die mit dem Flieger kommen, nachzuvollziehen und die zur Not an ihren Abflugort zu retournieren. Wo sie hingehören. Weil das Völkerrecht eben sehr wohl „Illegale“ kennt.

„ Die Zahl der tatsächlichen illegalen Einreisen dürfte noch höher liegen, heißt es in dem Bericht, denn nicht jeder Einreisende werde aufgegriffen.“

Eine Schätzung der Dunkelziffer erspart man sich jetzt hier, das Ergebnis wäre entweder lächerlich oder deprimierend. Wenn ich mir die Handlungseffizienz des durchschnittlichen deutschen (und auch österreichischen) Bemützten ansehe, spare ich mir Prognosen. Nur soviel: Das ist sogar von der Spitze des Eisberges nur jener Teil, auf den eine vorüberfliegende Möwe gekackt hat.

Die größte Gruppe der illegal Eingereisten stellen laut Bundespolizei Afghanen (742), gefolgt von Syrern (658) und Nigerianern (529). Die Zahlen legten den Schluss nahe, dass die sogenannte Balkanroute für Migranten aus dem Nahen und Mittleren Osten nicht vollends geschlossen sei. Zudem lasse sich ihnen entnehmen, dass der Anteil der Migranten aus Afrika, die über die zentrale Mittelmeerroute nach Deutschland kommen, steige.

Ach was. In der Überschrift hieß es doch eben noch, die Leute paddeln über das größte Feuchtgrab der Erde, weil die Balkanroute „geschlossen“ wäre, und jetzt stellt sich heraus, dass scheinbar mehr Leute über diese „abgeschottete“ Route illegal nordwärts die Grenzen penetrieren als von den Frontex-Schleppern direkt vor ihrer Heimatküste „gerettet“ werden.

Also langsam ist es ja schon egal, welche der beiden Aussagen stimmt oder ob beide reine Phantasie darstellen, denn wenn so etwas passiert, ist das ein Hinweis auf faktenkreative Berichterstattung, oder um es postmoderner auszudrücken: Fake News.
Und wenn man dann davon ausgeht, dass der Fake die Situation beschönigt darstellen soll, dann ahnt man, wie kaputt hier alles ist.
(P.S. Nein, ich rede nichts schlecht, es kann einem nur schlecht werden bei euren Versuchen, etwas gutzuschreiben.)




Kommentare:

Michael Schmid hat gesagt…

Lieber Fragolin,
ich schätze Ihre Kommentare sehr, aber der Besitz von "Mein Kampf" ist in Ö prinzipiell nicht strafbar ...

fischer hat gesagt…

So ist es.
Das Verfolgen und Vergleichen von Nachrichten mündet zunehmend in einem quälenden, unerträglichen Gefühl der Ohnmacht. Man liest, beobachtet, sieht, merkt, rechnet, recherchiert, blickt zurück, kontrolliert noch einmal die diversen Berichte und "Sager" und erkennt, daß man tatsächlich und - diesfalls unleugbar - skrupellos getäuscht, belogen und versuchsweise irregeführt wird. Jeden Tag.

Sie sind sehr mutig, Fragolin.

Fragolin hat gesagt…

Werter Herr Schmid,
man kann alt wer'n wia a Kuh und lernt immernoch dazu!
Danke für die Korrektur, da bin ich wohl einem Propagandairrtum aufgesessen, Faktencheck druchgefallen, setzen und Asche auf's Haupt! Froh bin ich, immer wieder Menschen zu begegnen, die Inhalte hinterfragen, kritisieren und Fehler aufzeigen, denn diese Kompetenz ist in meinen Augen extrem wichtig! Und ich genieße es, daraus zu lernen, denn nur so können wir besser werden. Danke!
MfG Fragolin

Werter fischer,
genau darum geht es mir, auch wenn die Erkenntnis, permanent verschaukelt zu werden, weh tut: bewusst zu lesen, zu hinterfragen, gegenzuchecken und nicht einfach jede Formulierung und Verdrehung zu schlucken, die uns die angeblich anspruchsvolle Qualtitätspresse täglich vor die Augen wirft.
Das ist nicht mutig, nur anstrengend. ;-)
MfG Fragolin