„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Dienstag, 19. November 2019

Mimimi

Da hat dieser kleine Wunderknabe also eine App gebastelt, über die man, jeglichem Datenschutz lachend ins Gesicht spuckend, Lehrer öffentlich bewerten und niederkommentieren kann, und den Lehrern ausgerichtet, sie mögen bitte nicht so dünnhäutig sein und negative Bewertungen eben wegstecken. Es würde eh nur objektiv bewertet (wer an Objektivität glaubt, glaubt auch an Regenbogen-Einhorn-Kittys…) und überhaupt sei eben jeder selbst schuld, wenn er keine Bestbewertung bekommt.

Gleich nach dem ersten Wochenende wurde die App wieder vom Netz genommen. Im App-Store wurde sie nämlich massiv negativ bewertet und kritisiert, dass es sich um eine Mobbing-App und Datenkrake handle und um offenen Verstoß gegen jeglichen Datenschutz und jegliche Persönlichkeitsrechte. Während Noten nicht mehr in der Klasse vorgelesen werden dürfen, würden Lehrer öffentlich an den Pranger gestellt. Und das ließ den Programmbastler weinend zusammenbrechen, weil er ja jetzt von „Hass“ verfolgt wird.
Ach nee.
Wirklich?

Tja, Burli, so fühlt sich das an, wenn ein Bumerang zurückkommt. Da kann man auch kleine Einhorn-Kittys reinschnitzen, es tut trotzdem weh, wenn er einem vor die Stirn knallt. Wie hast du selbst gesagt? Wer negativ bewertet würde, müsse das eben als Ansporn sehen, besser zu werden.
Warum dann jetzt das Mimimi und inflationäre Geflenne wegen „Hass“, wenn objektive und berechtigte Kritik kommt? Schneeflöckchen-Syndrom?

Ach ja, und noch eine Frage an die Lehrergewerkschaft: Beiträge kassieren tut ihr ja fleißig, eure Klientel wird ja auch nicht gerade mickrig entlohnt, also wo bleibt jetzt eure hochgepriesene Interessenvertretung? Kein Geld für eine Klage wegen Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte? Die Schule kann nämlich jeder öffentlich bewerten, aber Lehrer namentlich ist mit dem Datenschutz und den Persönlichkeitsrechten absolut unvereinbar!

Aber es kann auch sein, dass es besonders im linken Spektrum interessierte Kreise gibt, die aus Kommentaren zu Negativbewertungen herausfiltern, wo sich „rechte Gesinnung“ verstecken könnte. Oder Ablehnung gegen Klimahüpfer. Wer finanziert und forciert denn da im Hintergrund die Arbeit des Blockwart-App-Programmierers? Oder ist der gar nur eine Marionette? Weil man eine Lehrer-Bewertungs-App noch weniger akzeptieren würde, wenn sie nicht von einem Schüler kommt?

Ich hoffe, da hängen sich mal ein paar investigative Journalisten dran. Und nein, vom „Falter“ erwarte ich da nix; die wühlen wahrscheinlich lieber in den Schülerkommentaren nach Hinweisen auf „Nazilehrer.“..

Kommentare:

raindancer hat gesagt…

Lehrer haben zumeist ihr Leben lang nicht gelernt mit Kritik umzugehen.
Lehrer haben viel Macht und wenig Kontrolle.
Lehrer sind oft unkündbar obwohl unfähig.
Bis ein Lehrer gekündigt wird muss viel passieren.
Lehrer kontrollieren zumeist nur welche aus der Sippe: Lehrer.
Es gibt keine einheitliche Qualitätskontrolle für Notenvergabe.
Es gibt keine einheitliche Qualitätskontrolle für Lehrer selbst.
Wenn dennoch mal was aufblubbert, steht die Gewerkschaft stramm und Schüler oder Elternteil zieht zumeist den Kürzeren.
Benotungen anzufechten braucht viel Nerven und viel Zeit.
Lehrer arbeiten zumeist den halben Tag für ein Ganztagsgehalt.
Lehrer haben 10x so viel Urlaub wie jeder ASVGler.
Die App ist nur ein Symbol dafür dass das System der Lehrerschaft für den Kübel ist und eine aussenstehende! Qualitätskontrolle braucht.

Wie so vieles in Österreich.
Gäbe es das, bräuchte es die APP nicht.
Daher sag ich GO GO GO junger Mann, hab Mut und schreite voran :)

sokrates9 hat gesagt…

Bin in dieser Frage gespalten! Einerseits zeigt der riesige Radau der Lehrer dass man hier offensichtlich en schlechtes Gewissen hat wobei man auch sieht dass logisches Denken nicht mehr unbedingt die Stärke der Lehrer ist! Glattauer bringt als Einstiegsgag im Mittagsjournal die Aussage, dass es legitim sei Hotels zu bewerten, niemals aber Menschen! Hab gar nicht gewusst dass Ärzte nicht zu den Menschen zählen. Könnte natürlich sein dass alle "Dienstleister" von den Linken nicht als Menschen gesehen werden! Schließlich arbeiten die - auch Hoteliers und Sterneköche rund um die Uhr während Lehrer - na wir wissen eh...
Eigenartig die Argumentation des bereits bestehenden Feedbacks an Schulen die diese App für überflüssig macht! Da ist realitätsfremd noch ein echtes Zauberwort!
Andererseits wenn auch bewertet wird wie die Schule zum Klimauntergang steht, zeigt das auch wieder von mangelnder Intelligenz
davon ausgehend dass es nicht Ziel der App ist Eltern bei der Auswahl der Schulen insofern zu unterstützen welche Schule mit Schulschwänzerlaubnis somit NO-Go sei.

Fragolin hat gesagt…

Werte raindancer,
es geht hier nicht um Pauschalisierungen. "Lehrer haben" und "Lehrer sind"... Ja, es gibt solche und solche, gerade bei den Lehrern und, soviel gendern muss sein, besonders auch den Lehrerinnen. Meine Güte, ich habe selbst Schulkinder und bin immer wieder erstaunt über diese Lehr-Vogonen und oft auch verärgert. Aber das geht dann direkt, über die Schulleitung und eben auch mal den Landesschulrat. Und ja, ein Feedback-System fehlt da schon lange, aber...
Ein Pranger bleibt aber ein Pranger, und ich würde es strikt ablehnen, zum Beispiel hier bestimmte Lehrer mit Namen zu bewerten. Personen öffentlichen Interesses wie Politiker, Journalisten, Künstler - ja, sofort! Die sind ja schon am Licht der Öffentlichkeit.
Aber hier soll jemand von jedem aus der Anonymität heraus an den pranger gestellt werden können. Nein, da bin ich dagegen. Bei Lehrern ebenso wie bei Polizisten oder Richtern (warum keine Bewertungsapp von Knackis über Riocjhter?). Ich halte das Persönlichkeitsrecht hoch, auch wenn das vielen heute nichts mehr bedeutet.
MfG Fragolin

raindancer hat gesagt…

interessant ihr Vergleich:
Knackis und Richter
Schüler und Lehrer
mich wundert nichts mehr, oder umgekehrt, mich wundert sehr viel
Ein Schüler hat unter Umständen den höheren IQ als sein Lehrer.
Solange das System so ist wie es ist, werde ich die APP befürworten.
Lehrer unterliegen nur insofern einer Qualitätskontrolle als diese vom eigenen Beamtenpool durchgeführt wird, und ist somit hinfällig.
Es ist in etwa das gleiche Dilemma wie bei Politikern.
Genauso wie die röm.kath Kirche selbst die Übergriffe auf Kinder sanktioniert und aufdeckt. Nämlich gar nicht.

So eine Kontrolle is hinfällig.