„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Freitag, 23. März 2018

Sozialer Abstieg

Im Fratzenbuch raschelt es gewaltig. Dem Kohlehydrathügel geht es an die Kohle.

Manche Leute glauben ja wirklich, wenn etwas gratis ist und dann noch als „sozial“ bezeichnet wird, dann muss es doppelplusgut sein. So wie extrateurer Joghurt im recyclebaren Maisstärkebecher und dem Stempel „bio“ - da kann man jeden Molkereiabfall reinkehren, der biologisch abbaubare Durchschnittskonsument wird begeistert zugreifen und ganz empört sein, wenn herauskommt, dass da die gleiche Pampe in dem Kübel ist wie in den Billigbechern aus Thermoplast.
Facebook, das ist doch, also, das weiß doch jeder, das ist ein „soziales Netzwerk“! Also gut.

Wer wirklich geglaubt hat, dass der angeblich ziemlich narzisstische Egomane Zuckerberg dadurch zum Multimilliardär geworden ist, dass er den Leuten etwas schenkt, ihnen eine Plattform bastelt, auf der sie sich treffen und „sozial interagieren“ können, indem sie sich gegenseitig „likes“ schicken und jeden Müll potenzieren indem sie ihn kettenbriefartig „teilen“, und das alles GRATIS! - dem ist nicht mehr zu helfen. Jeder Mensch mit Resthirn wusste vom ersten Moment an, dass es sich um eine Datenkrake handelt, um ein Instrument für den Gläsernen Menschen. Wann immer etwas GRATIS! ist, kommt hinterher die Rechnung aus einer ganz anderen Richtung. Und meist teurer als geahnt.
Facebook hat Userdaten verkauft und nicht einmal vorher um Erlaubnis gefragt? Und dann auch noch an Agenturen, die Trump unterstützt haben??
Nein!
Doch!
Oh!!!
Wäre es nur das Erstere gewesen, nun, ja, also, ähm, man hätte es fast ignorieren können. Hätte es Obama oder Clinton genutzt, wäre es sogar positiv berichtet worden als Sieg der „sozialen Netzwerke“ gegen den „Irrsinn der Rechtsrechten“. Aber so? Nutzen für Trump? Das geht gar nicht, das muss ja Teufelszeug sein!

Die sogenannten „sozialen Netzwerke“ sind nicht politisch, die sind neutral wie eine Litfaßsäule.
Genau betrachtet sind es virtuelle Kotztüten. Jeder reihert alles rein, von Berichten über seinen Stuhlgang bis zu Phantasien, wie man die Kuffar am schönsten schächten kann, und wenn man sich den Sumpf dann anschaut, wundern sich plötzlich alle, dass er stinkt. Es wird provoziert und Mentalmüll direkt gegen diese Litfaßsäule auf dem virtuellen Marktplatz, das Äquivalent des Schwarzen Brettes, gekotzt, und dann gewundert, wenn Vorbeikommende das mit Gehässigkeit kommentieren oder gar mit harten Worten ablehnen.

„Oh“, jammert dann das Schneeflöckchen nach dem globalen Striptease seiner Uninteressantheit, „ich werde gehatet! Ich habe Hater!!“ Nein, es ist nur Herpes. Direkt zwischen den Ohren. Und überhaupt liegt es meistens nicht an den Leuten, die dich nicht leiden können, wenn sie dich nicht leiden, sondern an dir, weil du es ihnen unmöglichst machst, dich leiden zu können. Weil du doof bist und selbst Mitleid mit mental Minderbestückten irgendwann an seine Grenzen stößt, wenn diese ihre Dummheit auch noch laut in die ganze Welt schreien. Sie wollen gehört werden, aber keiner will sie hören, weil sie nichts hörenswertes zu sagen haben. Die Welt ist kein Ponyhof sondern eine Abdeckerei, und sich dort zu benehmen wie ein dummer Gaul ist taktisch unklug.

Was soll man in dieser virtuellen Jauchegrube? Jeder Clown will sofort dein „Freund“ sein oder kotzt dich als „Hater“ mit seinem primitiven Frust voll, und im Hintergrund pinselt ein unsichtbarer kleiner elektronischer Kobold dein komplettes Posten, Liken und Haten eifrig mit, erstellt daraus ein Persönlichkeitsprofil, das er bereitwillig ebenso jedem Zahlenden überlässt wie jeder interessierten Behörde, erledigt nebenbei noch die politische Zensur im Auftrag linker Propagandisten, überprüft jeden geschriebenen Satz und meldet jedes Denkverbrechen sofort den Blockwarten und Stasi-Spitzeln, die zur virtuellen Textverbrennung edler Tradition ausreiten.
Nein danke, ich brauche das nicht.
Und wer glaubt, dass er das braucht, soll nicht maulen, wenn er merkt, dass er nicht geliked wurde, sondern gelinkt.

1 Kommentar:

Gerd Franken hat gesagt…

"dass er nicht geliked wurde, sondern gelinkt."

Köstlich.